Grabmal für Nikodem Bardzki (1822 – 1863)

Das Grabmal für Nikodem Bardzki (1822 – 1863) gehört zu den ältesten, die auf dem katholischen Friedhof in Chełmno erhalten geblieben sind. Der Grabstein ist vom Steinmetz Herman Neuenford aus Bydgoszcz (Bromberg) angefertigt worden.

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Eine Inschrift auf dem Grabstein besagt:

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Hier ruhen die sterblichen Überreste des seligen
Nikodem Bardzki
geboren am 1. September 1822, verstorben am 24. Oktober 1863
Um ein Gebet [für ihn] bitten die hinterbliebene Gattin
und die dankbaren Kinder.

 

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wohnte Nikodem Bardzki mit seiner Familie in Chełmno, und zwar in einem Haus am Markt. Er hat aktiv den Januaraufstand 1863 unterstützt.

bardzkiGazetaWarszawskaTodestagVielleicht wird aus diesem Grund in verschiedenen Quellen der 24. Januar 1863 als sein Todestag genannt. Dass er aber tatsächlich, wie auf dem Grabstein vermerkt, am 24. Oktober verstorben ist, belegt ein knapper Vermerk in der Gazeta Warszawska („Warschauer Zeitung“) vom 29. Oktober 1863.

Der Januaraufstand, eine gegen die russische Teilungsmacht gerichtete polnische Erhebung in von dieser beherrschten Gebieten, war im Übrigen nicht auf den Monat Januar des Jahres 1863 beschränkt, sondern dauerte bis zu seiner Niederschlagung über ein Jahr an.

Quellen:

Anna Grzeszna-Kozikowska, Pomnik Powstańca Styczniowiego Nikodema Bardzkiego, online: http://www.fluidi.pl/o,2768/Pomnik_Powstanca_Styczniowiego_Nikodema_Bardzkiego

Rada Ochrony Pamięci Walk i Męczeństwa (Ogólnopolska Komputerowa Baza Cmentarzy Wojennych), Chełmno – mogiła powstańca styczniowego z 1863 r. Nikodema Bardzkiego, online: http://groby.radaopwim.gov.pl/grob/12519/

Gazeta Warszawska 1863, Nr. 247, online: http://fbc.pionier.net.pl/id/oai:ebuw.uw.edu.pl:80563

Dominikanerkirche (ehemalige evangelische Pfarrkirche)

Die Dominikanerkirche (St. Peter und Paul) im nordöstlichen Teil der Altstadt an der ul. Wodna und ul. Kościelna bildet ein häufiges Ziel deutscher Touristen, die auf den Spuren ihrer Kindheit oder Vorfahren nach Culm (Chełmno) kommen. Vom 1. August 1841 bis zum 21. Januar 1945, als Gerhard Tietze, der letzte protestantische Pastor in Culm, vor seiner Flucht nach Westen noch einen Gottesdienst hielt, diente sie nämlich der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus.

Wegen der schnurgeraden Straßenführung in der Altstadt sieht man den markanten Staffelgiebel schon vom westlichsten Ende der ul. Dominikańska aus.

Die Kirche wurde ab dem 13. Jahrhundert errichtet und bis 1836 von den Dominikanern genutzt, die 1228 in Culm eines der ersten Klöster im Gebiet des heutigen Polens gründeten. Heidenreich, ab 1243 erster Bischof von Culm, soll sich hier ständig aufgehalten haben und wurde schließlich nach seinem Tod 1263 in der Kirche bestattet.

Im Innern ist die Kirche 54,5 m lang und 15,3 m breit. Da sie am Rande eines Hangs steht, besitzt sie solide Fundamente und mächtige Mauern mit einer Stärke von bis zu 1,5 m. Die Westfassade wurde mit einem reichen Staffelgiebel abgeschlossen, der von ihn durchschneidenden waagerechten Blenden und Lisenen (senkrechte, flache Mauerstreifen) belebt wird.

Nördlich der Kirche befanden sich die 1830 abgebrannten Klostergebäude und im Osten der Klostergarten.

Im 17. Jahrhundert wurde das Mittelschiff erhöht und das Nordschiff angebaut. Ein erneuter Umbau erfolgte im Jahr 1898. Das Innere der Kirche prägen die hohen Seitenschiffe mit ihrer unregelmäßigen Breite sowie das Kreuz-Rippen-Gewölbe. Die Kirche besitzt eine bescheidene Ausstattung mit einem Rokokohauptaltar aus dem frühen 18. Jahrhundert. 1880 wurde eine Orgel der Firma Sauer aus Frankfurt an der Oder installiert.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die ehemalige Dominikanerkirche wieder von katholischen Christen genutzt. Sie gehört zur Pfarrgemeinde St. Marien. Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Sanierungsarbeiten durchgeführt. So wurde 2005 und 2006 das Dach grundlegend erneuert.

Ostseite der Peter-und-Paul-Kirche (Dominikanerkirche) in Chełmno / Culm - 1. Juni 2008 Weitere Informationen über die Dominikanerkirche mit vielen Fotos finden Sie auf der Website moje-chelmno.pl.

So wie auf dem letzten Foto sieht die Dominikanerkirche  „von hinten“, nämlich von Osten, aus.

Im Vordergrund erkennt man einen Teil der Mittelalterlichen Siedlung, die der Allgemeinheit nur während Veranstaltungen zugänglich ist.

Dieses Foto entstand während des Kinderfestes am 1. Juni 2008.

Stadtmauer

Stadtmauer in Culm / ChełmnoBis heute ist die die Altstadt von Culm an der Weichsel (Chełmno nad Wisłą) umschließende Wehrmauer mit einer Länge von ungefähr 2270 Metern fast vollständig erhalten geblieben. Die Wehrmauern aus Ziegelsteinen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert an der Stelle ursprünglicher Holz- und Erdbefestigungen. Im Jahre 1563 wurden die bestehenden Mauern mit Erlaubnis des Königs Zygmunt August auf die heutige Höhe erweitert.

Eine Auswertung der vorhandenen Quellen aus der Neuzeit, die Marek G. Zieliński vorgenommen hat, zeigt, dass die Stadt regelmäßig erhebliche Mittel aufwenden musste, um die Stadtmauer in einem vertretbaren Zustand zu erhalten. Oft drohte sie einzustürzen, so wie es 1650 an der Sankt-Martins-Kapelle geschah. Fünfzehn Jahre zuvor war der Verbrauch von 12000 Ziegeln für die Reparatur der Wehrmauern vermerkt worden. 1670 stellte man in der Nähe des Graudenzer Tores fest, dass die Stadtmauer instabil geworden war. Notdürftig ließ die Stadt hölzerne Stützen anfertigen, bis die Gelder für eine gründliche Sanierung beisammen waren. 1699 setzte man am Wassertor (Stadttor an der Wasserstraße – ul. Wodna) 21000 Ziegeln ein, weitere umfangreiche Arbeiten erfolgten beispielsweise in den Jahren 1726, 1733 und 1742.

Einen ähnlichen Aufwand erforderten die sieben mittelalterlichen Stadttore sowie die rund 30 Basteien und Türme, von denen heute noch 23 teilweise oder vollständig erhalten sind. Auch aus Kostengründen mauerte man im Laufe der Jahrhunderte die weniger wichtigen Stadttore zu, so dass im frühen 18. Jahrhundert nur noch drei tatsächlich genutzt werden konnten. Zwischen 1860 und 1866 brach man die meisten Stadttore ab. Gleiches galt für zwei verhältnismäßig kurze Mauerabschnitte, nämlich zwischen der ul. Rybacka und ul. Rynkowa (also an der Alten Promenade) sowie zwischen dem Graudenzer Tor und der ul. 22 Stycznia.

Auch in jüngster Zeit waren immer wieder umfangreiche und teure Baumaßnahmen an vielen Abschnitten der Wehrmauer erforderlich, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Solche Maßnahmen bilden auch ein wichtiges Element der noch bis 2014 laufenden planmäßigen Sanierung historischer Bauwerke in der Altstadt. Deshalb ist es möglich, dass Touristen bei ihrem Spaziergang entlang der Stadtmauer auf Absperrungen treffen.

Stadtmauer in der Neuen Promenade in Culm / Chełmno - 31. Mai 2008

Wer sich von der Mächtigkeit der Stadtmauer beeindrucken lassen möchte, der sollte den Fußweg unmittelbar an der Wehrmauer wählen, der die Parkanlage Neue Promenade mit der ul. Wodna (Wasserstraße) verbindet.

Blick auf die Ostseite des Jungfrauenturms und ein Stück der Stadtmauer in Culm / Chelmno - 28. September 2008

Blick auf die Ostwand des Jungfrauenturms und die Stadtmauer in der Nähe des Spielplatzes an der al. 3 Maja.

Stadtmauer in Culm (Chełmno) im Bereich des ehemaligen Thorner Tores am 6. Dezember 2008

An dieser Stelle stand früher das Thorner Tor. Hinter dem Baum erkennt man die nach dem Abbruch dieses Stadttors im 19. Jahrhundert entstandene Durchfahrt durch die mittelalterliche Wehrmauer. Die ul. Toruńska (Thorner Straße) bildete damals die wichtigste Verbindung Richtung Süden.

Jungfrauenturm

Der Jungfrauenturm an der ul. 3 Maja ist ein Teil der Stadtbefestigung, der teilweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts rekonstruiert wurde.

Nach seiner Instandsetzung in den Jahren 1986-1988 wurde er für Ausstellungs- und Lagerzwecke des Museums des Culmer Landes verwendet.

Seit 1999 ist die Bastei Sitz der „Culmer Ritterschaft“, eines Vereins, der sich mit der mittelalterlichen Geschichte Culms und besonders mit der Tradition und Kultur der Ritter in dieser Epoche befasst. Die „Culmer Ritterschaft“ beteiligt sich an Wettbewerben und Schaukämpfen, in denen mittelalterliche Schlachten nachgestellt werden. Mit Hilfe des Museums hat die „Culmer Ritterschaft“ den Jungfrauenturm renoviert und ihn für Besucher geöffnet, die dort Nachbildungen von mittelalterlichen Waffen und Fahnen bewundern können.

Blick auf die Ostseite des Jungfrauenturms und ein Stück der Stadtmauer in Culm / Chelmno - 28. September 2008

Kloster

Culm besaß in seiner Geschichte mehrere Klöster. Erhalten geblieben ist jedoch nur eine Klosteranlage im Nordwesten der Altstadt, die von den Straßen ul. Dominikańska, ul. Klasztorna und ul. Biskupia begrenzt wird.

Ihr ältester Teil wurde ab dem 13. Jahrhundert gemeinsam mit der Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten geweihten und bis Mitte des 14. Jahrhunderts fertiggestellten Kirche errichtet und zunächst von Zisterzienserinnen genutzt – später, bis 1821, von Benediktinerinnen. Die ältesten Bauwerke, die teilweise auf eine bescheidene Residenz des Deutschen Ordens (Mestwin-Turm) zurückzuführen sind, liegen im nordwestlichen Bereich der Anlage hinter jüngeren Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert, die man von der Straße aus sieht.

Nähere Informationen über die Geschichte dieses Klosters mit vielen Fotos finden Sie auf der Website moje-chelmno.pl.

Heute befindet sich im Kloster ein von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul betriebenes Sozialfürsorgehaus. In der Einrichtung können bis zu 146 Personen wohnen, und zwar 44 geistig behinderte Kinder und Jugendliche, 66 geistig behinderte Erwachsene und 36 Menschen mit chronischen Erkrankungen, die besonderer Pflege bedürfen. Viele Bewohner sind in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und daher auf eine besondere Fürsorge angewiesen.

Zwar werden durch den Betrieb des Sozialfürsorgehauses auf dem Klostergelände die zahlreichen historischen Gebäude sinnvoll genutzt. Dennoch bereiten unter anderem die Anforderungen des Denkmalschutzes bei der seit vielen Jahren erfolgreich betriebenen Modernisierung besondere Schwierigkeiten, denen sich die Schwestern bei ihrer alltäglichen Arbeit stellen müssen.

Notwendige Renovierungsarbeiten und die laufende Betreuung der Bewohner verursachen hohe Kosten, die nur mit großer Mühe gedeckt werden können. Umso erfreulicher ist die Spendenbereitschaft vieler Menschen aus dem In- und Ausland, die die bemerkenswerte Tätigkeit der Barmherzigen Schwestern unterstützen. So sammelt beispielsweise die Kirchengemeinde St. Antonius aus Hörstel in Nordrhein-Westfalen seit vielen Jahren Sach- und Geldspenden für die Bewohner des Sozialfürsorgehauses in Chełmno. Bisher hat die Kirchengemeinde über 20 Hilfstransporte organisiert, die das Leben der Bewohner sehr erleichtern.