Neue Promenade

Die Neue Promenade (poln. Nowe Planty) genannte Parkanlage entstand in den Jahren 1834-1835 während der Amtszeit von Bürgermeister Lauterbach nördlich des Graudenzer Tores an der Stelle eines Grabens, der der Stadtmauer vorgelagert war und mit ihr in früheren Zeiten ein Verteidigungssystem bildete. Eine besondere Zierde bildete eine noch während der Amtszeit Lauterbachs, der bis 1848 an der Spitze der Stadtverwaltung stand, geschaffene Laube in Form eines griechischen Tempels mit acht Säulen.

Neue Promenade in Culm an der Weichsel - September 2005

Der 5,8 ha große Park erstreckt sich bis zur ul. Wodna und umfasst auch die Steilhänge an der Gnadenkapelle in Richtung ul. Kamionka. Mit der Pflege der Neuen Promenade befasste sich ursprünglich der anlässlich der Schaffung des Parks gegründete Verschönerungs-Verein, dem 1837 bereits 41 Mitglieder angehörten. Er war viele Jahrzehnte lang tätig und zählte 1864 125 Mitglieder. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nämlich 1890, engagierten sich 146 Personen im Verschönerungs-Verein Culm. Während der Zwischenkriegszeit übernahm Dr. Rediger, der Direktor des Mädchengymnasiums, die Betreuung der Neuen Promenade. Er entwarf unter anderem eine Sonnenuhr aus Blumen. Seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts widmet die Stadtverwaltung der Parkanlage besondere Aufmerksamkeit und überrascht jedes Jahr Einwohner und Gäste mit völlig neu gestalteten Blumenteppichen.
Der Park besitzt drei Hauptwege. Der östlichste führt neben dem Grab des unbekannten Soldaten über eine lange Treppe in eine talförmige Senke, in der sich die Gnadenkapelle befindet.

Die beiden anderen Hauptwege fassen eine gärtnerisch schön gestaltete Grünfläche ein. Gleich unterhalb des Graudenzer Tors befand sich seit 1880 ein Springbrunnen, der bis 1990 erhalten blieb. Im August 2005 konnte dank einer Spende von Romuald Hejna ein neuer Springbrunnen (weitere Ausführung nach vollständiger Beschädigung im Jahr 008), der dem historischen Vorbild nachempfunden ist, geschaffen werden.

Nördlich des Springbrunnens stehen zwei kunstvoll gefertigte Stelen, die 1893 von zwei seinerzeit prominenten Einwohnern der Stadt Culm, nämlich Arnold Ruhemann und Wolfgang Geiger, gestiftet worden sind.

Der westlichste Hauptweg des Parks liegt unmittelbar an der Stadtmauer und ermöglicht einen Spaziergang vom Graudenzer Tor am Dominikanerturm vorbei bis zur ul. Wodna. Durch einen Durchbruch in der Stadtmauer kann man einen Blick in die ul. Rycerska werfen. Unmittelbar an der Stadtmauer, die an dieser Stelle erst vor kurzem umfassend erneuert worden ist, wurden alle Büsche und Bäume entfernt, damit diese dem historischen Bauwerk keine neuen Schäden zufügen können.
Neue Promenade in Culm an der Weichsel - September 2005

Der mittlere Hauptweg führt bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen herrlichen, wenn auch durch die wachsenden Bäume immer mehr eingeschränkten, Ausblick auf das Weichseltal und die Culm gegenüber liegende Stadt Schwetz genießt. Hier wurde vom Verschönerungs-Verein am 9. Juli 1892 ein heute nicht mit vorhandener Gedenkstein mit der Inschrift Bürgermeister Lauterbach schuf diese Anlagen 1834 aufgestellt. 1927 wurde er erneuert und nun mit der polnischen Inschrift – einer wortwörtlichen Übersetzung des ursprünglichen Textes – Park ten założył burmistrz Lauterbach w roku 1834 versehen. Ein weiterer Gedenkstein würdigte seit 1902 die Verdienste des 1900 verstorbenen Culmers Ludwig Schmidt, der sich mit großem Engagement der Pflege der Neuen Promenade gewidmet und dafür 1898 sogar die Ehrenbürgerschaft der Stadt Culm erhalten hatte. Auch dieser Gedenkstein ist nicht mehr erhalten.
In der Nähe des Aussichtspunkts befindet sich eine Stelle, die seit dem späten 19. Jahrhundert bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts für die Veranstaltung von Konzerten genutzt wurde.


Quelle:
Anna Soborska-Zielińska, Parki i ogrody Chełmna, Chełmno 1999, S. 14 ff (Nowe Planty)

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 22.01.2008]