Reliquie des heiligen Valentin

Culm wirbt seit einigen Jahren damit, die „Stadt der Verliebten“ zu sein und begeht den Valentinstag (14. Februar) mit einem besonderen Veranstaltungsprogramm. Wie kommt es dazu?

Seit mehreren Jahrhunderten befindet sich in der Pfarrkirche St. Marien eine Reliquie des heiligen Valentin. Es handelt sich um ein Schädelfragment, das in einem achteckigen Reliquiar aus Silber aufbewahrt wird. Nicht genau geklärt ist, woher diese Reliquie stammt und wann genau sie ihren Platz in Culm gefunden hat.

Der Kunstkonservator Krzysztof Kalinowski schließt in einem am 14.02.2008 in der Tageszeitung Gazeta Wyborcza veröffentlichten Artikel Jak głowa św. Walentego trafiła do Chełmna (Wie der Kopf des heiligen Valentin nach Culm kam) nicht aus, dass Paweł Jan Działyński den Schädel des heiligen Valentin in Rom als Auszeichnung für seinen Einsatz für die katholische Kirche in Polen von Papst Gregor XV. erhalten und spätestens im Juli 1623 in seine Heimat überführt hat. In der Pfarrkirche in Neumark (Nowe Miasto Lubawskie) befindet sich ein Gemälde, das Papst Gregor XV. gemeinsam mit Paweł Jan Działyński darstellt.

Dokumentiert ist jedoch die Entstehung der kunstvollen Silberdose, die einen kuppelförmigen, verglasten Deckel besitzt, durch den die Reliquie betrachtet werden kann. Dieser Reliquiar wurde 1630 von Jadwiga Działyńska und ihrer Tochter bei Wilhelm de Lassensy in Thorn (Toruń) bestellt, weil beide Frauen überzeugt davon waren, eine Krankheit dank der Hilfe des heiligen Valentin überstanden zu haben. So verkündet es eine gut erkennbare Inschrift in polnischer Sprache.

1715 wurde in der Pfarrkirche ein neuer, noch heute vorhandener, Altar für den heiligen Valentin mit einem Bildnis des Heiligen eingerichtet, das der Überlieferung nach aus Rom stammt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Reliquie in besonderer Weise verehrt. Am Vorabend des 14. Februar wurde sie in einer Prozession in die Heilig-Geist-Kirche überführt, dort auf dem Hauptaltar aufgestellt und angebetet. Am 14. Februar wurden dann mehrere Messen gelesen, bis die Reliquie in einer Prozession wieder in die Pfarrkirche gebracht wurde. Ähnliche Feierlichkeiten fanden am zweiten Pfingsttag statt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als die Heilig-Geist-Kirche langsam verfiel, verloren die dem heiligen Valentin gewidmeten Prozessionen allmählich an Bedeutung, bis sie völlig eingestellt wurden und in Vergessenheit gerieten.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 14.02.2008]