Schwetz an der Weichsel – Verlegung der Altstadt im 19. Jahrhundert

Der Teil von Schwetz an der Weichsel (Świecie nad Wisłą), den man heute als Altstadt wahrnimmt, ist relativ jung, weil er erst infolge einer vollständigen Verlegung der Stadt im 19. Jahrhundert entstanden ist.

Am ursprünglichen Standort, einer seit dem 13. Jahrhundert besiedelten feuchten Niederung, der bei hohem Wasserstand des Flüsschens Schwarzwasser und der unweit gelegenen Weichsel ständig Überschwemmungen drohten, war das Leben für die Einwohner zur Qual geworden. So starben in den Jahren 1831 bis 1848 viele Menschen an der Cholera.

Deshalb trug man sich schon im frühen 19. Jahrhundert mit dem Gedanken, sich auf einem nicht vom Hochwasser bedrohten Gelände nördlich des bisherigen Ortes niederzulassen. 1830 richtete man, nachdem drei Jahre in Folge schwere Hochwasser Schwetz heimgesucht hatten, eine entsprechende Eingabe an den preußischen König. Weitere Überschwemmungen wurden in den Jahren 1837, 1841, 1844 und 1845 verzeichnet. Die Regierung gestattete jedoch erst 1857 die Verlegung, die ein Jahr später begann und erst 27 Jahre später abgeschlossen war.

König Wilhelm I. stellte Schwetz zunächst 20.000 Taler zur Verfügung, aber erst 1874, als die preußische Regierung der Stadt ein Darlehen in Höhe von 108.000 Mark gewährte, wurde das Großvorhaben beschleunigt. Dazu trugen auch weitere 90.000 Mark bei, die in Form von Bauprämien ausgezahlt wurden. Diese Prämien wurden Bürgern gewährt, die ihr altes Haus abrissen und ein ebenso großes in der neuen Stadt errichteten. Als Berechnungsgrundlage diente der Wert des bisherigen Hauses. Nach Abzug des Preises der nach dem Abbruch noch verwendbaren Baustoffe wurde dem Bauherrn ein Drittel des Hauswerts in Form dieses Zuschusses ausbezahlt.

Da ärmere Einwohner der Stadt trotz dieser Bauprämien aus eigener Kraft nicht in der Lage waren, sich neue Häuser zu bauen, wurden nach einem weiteren schweren Hochwasser im Frühjahr 1879 Spenden gesammelt, um diesen Menschen kostenlos Baugrundstücke zur Verfügung stellen zu können. Die Gesamtkosten der gesamten Umzugsmaßnahmen sollen rund 650.000 Mark betragen haben.

Im frühen 20. Jahrhundert wohnte bereits die gesamte Bevölkerung in der neuen Stadt. Markanteste Punkte der alten Stadt sind heute die Ruine der Deutschordensburg aus dem 14. Jahrhundert und die Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und in den achtziger Jahren instand gesetzt wurde.

Ansonsten erinnert nur noch wenig an das “alte” Schwetz, weil sich im einstigen Stadtgebiet heute vor allem Kleingärten und vereinzelte Häuser aus neuerer Zeit befinden.

 

Quellen:

  • Wacław Wojciechowski, Świecie Pomorskie niegdyś a dzisiaj, Grudziądz 1912
  • Website der Stadtverwaltung Świecie

Ergänzung vom 11. Juli 2012:

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags ist am 12.01.2008 erfolgt. Vor einigen Tagen habe ich in der Elbinger Digitalbibliothek (Elbląska Biblioteka Cyfrowa) eine knapp 100 Seiten starke und sehr detaillierte Darstellung mit dem Titel „Die Verlegung der Stadt Schwetz aus der Weichselniederung auf die Höhen am linken Schwarzwasserufer (1830-1885)“ aus dem Jahr 1908, verfasst von Dr. Gustav Kötz, entdeckt. Zwar habe ich diese Quelle noch nicht in den vorstehenden Beitrag einfließen lassen können, möchte aber wegen der ausführlichen und zeitnahen Darstellung des „Umzugs“ der Altstadt von Schwetz durch Dr. Kötz gleich auf dieses Werk hinweisen.

Interessant ist auch ein dieser Publikation beigefügter „Situations-Plan der Stadt Schwetz“, gezeichnet vom Deichinspektor Westphal aus Culm am 3. September 1830 nach einer älteren Karte des Artillerie-Leutnants Pippow vom Mai 1810. So lässt sich die Lage und Gliederung der „alten“ Altstadt von Schwetz gut nachvollziehen. Im Kleinformat habe ich diesen „Situations-Plan“ in den Artikel eingefügt. Durch Klick auf die Abbildung oder diesen Link können Sie eine größere Ansicht aufrufen.