Drei Kirchen

Klosterkirche, Franziskanerkirche und Marienkirche a in Culm / Chelmno - 5. Oktober 2008

Diese beiden Fotos sind am 5. Oktober 2008 innerhalb einer Stunde entstanden und zeigen drei Kirchen in der Altstadt von Culm aus entgegengesetzten Himmelsrichtungen.

Das Bild oben präsentiert von links nach rechts die Klosterkirche, die Franziskanerkirche und die Marienkirche aus Richtung Süden.

Auf dem Foto unten sind die Silhouetten dieser Kirchen aus Richtung Norden zu sehen, natürlich jetzt in umgekehrter Reihenfolge, also Marienkirche – Franziskanerkirche – Klosterkirche.

Marienkirche - Franziskanerkirche - Klosterkirche in Culm / Chelmno - 5. Oktober 2008

Mittelalterliche Siedlung

Die Mittelalterliche Siedlung, eine Freifläche zwischen der Dominikanerkirche und der Stadtmauer, hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Veranstaltungsort für sommerliche Events entwickelt. Auf der großen Rasenfläche im Nordosten der Altstadt, die wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte lang den Garten des Dominikanerklosters bildete, wird unter anderem jedes Jahr am 1. Juni der Kindertag gefeiert.

Der Haupteingang liegt an der ul. Kościelna. Außerdem gibt es einen Zugang von der Neuen Promenade aus durch ein Tor in der Stadtmauer.

Tor in Stadtmauer von Chełmno / Culm - Durchgang zur Mittelalterlichen Siedlung

Stadtmauer

Stadtmauer in Culm / ChełmnoBis heute ist die die Altstadt von Culm an der Weichsel (Chełmno nad Wisłą) umschließende Wehrmauer mit einer Länge von ungefähr 2270 Metern fast vollständig erhalten geblieben. Die Wehrmauern aus Ziegelsteinen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert an der Stelle ursprünglicher Holz- und Erdbefestigungen. Im Jahre 1563 wurden die bestehenden Mauern mit Erlaubnis des Königs Zygmunt August auf die heutige Höhe erweitert.

Eine Auswertung der vorhandenen Quellen aus der Neuzeit, die Marek G. Zieliński vorgenommen hat, zeigt, dass die Stadt regelmäßig erhebliche Mittel aufwenden musste, um die Stadtmauer in einem vertretbaren Zustand zu erhalten. Oft drohte sie einzustürzen, so wie es 1650 an der Sankt-Martins-Kapelle geschah. Fünfzehn Jahre zuvor war der Verbrauch von 12000 Ziegeln für die Reparatur der Wehrmauern vermerkt worden. 1670 stellte man in der Nähe des Graudenzer Tores fest, dass die Stadtmauer instabil geworden war. Notdürftig ließ die Stadt hölzerne Stützen anfertigen, bis die Gelder für eine gründliche Sanierung beisammen waren. 1699 setzte man am Wassertor (Stadttor an der Wasserstraße – ul. Wodna) 21000 Ziegeln ein, weitere umfangreiche Arbeiten erfolgten beispielsweise in den Jahren 1726, 1733 und 1742.

Einen ähnlichen Aufwand erforderten die sieben mittelalterlichen Stadttore sowie die rund 30 Basteien und Türme, von denen heute noch 23 teilweise oder vollständig erhalten sind. Auch aus Kostengründen mauerte man im Laufe der Jahrhunderte die weniger wichtigen Stadttore zu, so dass im frühen 18. Jahrhundert nur noch drei tatsächlich genutzt werden konnten. Zwischen 1860 und 1866 brach man die meisten Stadttore ab. Gleiches galt für zwei verhältnismäßig kurze Mauerabschnitte, nämlich zwischen der ul. Rybacka und ul. Rynkowa (also an der Alten Promenade) sowie zwischen dem Graudenzer Tor und der ul. 22 Stycznia.

Auch in jüngster Zeit waren immer wieder umfangreiche und teure Baumaßnahmen an vielen Abschnitten der Wehrmauer erforderlich, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Solche Maßnahmen bilden auch ein wichtiges Element der noch bis 2014 laufenden planmäßigen Sanierung historischer Bauwerke in der Altstadt. Deshalb ist es möglich, dass Touristen bei ihrem Spaziergang entlang der Stadtmauer auf Absperrungen treffen.

Stadtmauer in der Neuen Promenade in Culm / Chełmno - 31. Mai 2008

Wer sich von der Mächtigkeit der Stadtmauer beeindrucken lassen möchte, der sollte den Fußweg unmittelbar an der Wehrmauer wählen, der die Parkanlage Neue Promenade mit der ul. Wodna (Wasserstraße) verbindet.

Blick auf die Ostseite des Jungfrauenturms und ein Stück der Stadtmauer in Culm / Chelmno - 28. September 2008

Blick auf die Ostwand des Jungfrauenturms und die Stadtmauer in der Nähe des Spielplatzes an der al. 3 Maja.

Stadtmauer in Culm (Chełmno) im Bereich des ehemaligen Thorner Tores am 6. Dezember 2008

An dieser Stelle stand früher das Thorner Tor. Hinter dem Baum erkennt man die nach dem Abbruch dieses Stadttors im 19. Jahrhundert entstandene Durchfahrt durch die mittelalterliche Wehrmauer. Die ul. Toruńska (Thorner Straße) bildete damals die wichtigste Verbindung Richtung Süden.

Culmer Hof

Bis 1984 zierte die östlichste Ecke der Nordseite des Culmer Marktplatzes das Gebäude des ehemaligen Culmer Hofes, eines Hotels und Restaurants, in dem 1913 der junge Kurt Schumacher Tanzunterricht* genommen hat. Auf der Postkarte auf dem frühen 20. Jahrhundert erkennt man links neben dem an der Straßenecke stehenden Hotel ein Gebäude mit der Aufschrift Robert Frohnert (übrigens ein Onkel Kurt Schumachers), das später Teil des umgebauten Culmer Hofes wurde.

Culmer Hof - Anzeige aus dem Jahr 1904Dadurch erhielt das Hotel, das nach 1919 Dwór Chełmiński genannt wurde (die deutsche Bezeichnung wurde also wortwörtlich ins Polnische übernommen) und nach Angaben in einem Reiseführer aus dem Jahr 1929 (Jan Grabowski, Przewodnik po Chełmnie) 40 Betten besaß, zum Markt hin eine breitere Fassade.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das ehemalige Hotel lange Jahre dem Landkreis und später der Stadt als Kulturhaus, bis es in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1984 einem Feuer zum Opfer fiel und abgerissen werden musste. Seitdem klafft dort eine weit sichtbare Lücke.

Anfang der neunziger Jahre erwarb ein Geschäftsmann das Grundstück. Leider versäumte es die Stadtverwaltung, dem Erwerber im Kaufvertrag eine bestimmte Frist für die Bebauung zu setzen. Alle paar Jahre findet man einen Artikel in der Lokalpresse über das Schicksal dieses Grundstücks und die (vermeintlich konkreten) Pläne des neuen Eigentümers, aber die Jahre verstreichen, ohne dass sich irgendetwas tut.

Entstanden sind lediglich ein das Grundstück umgebender Zaun, der immer unansehnlicher wird, und leider eine noch mehr Blicke auf diese Stelle ziehende Werbetafel, auf der ein örtlicher Supermarkt sein aktuelles Angebot anpreist (siehe Foto des Grundstücks vom 13. Januar 2008: man war gerade dabei, ein neues Plakat aufzukleben).

Der Stadt sind die Hände gebunden, denn sie hat keine rechtlichen Möglichkeiten, den Eigentümer zu zwingen, den Neubau in Angriff zu nehmen. Der derzeit geltende Bebauungsplan gestattet es übrigens, dieses Grundstück für „Tourismus, Verwaltung und Handel“ zu nutzen, setzt also keine besonderen Beschränkungen. Um das historische Stadtbild zu erhalten, sieht er jedoch vor, dass sich der zukünftige Bauherr und sein Architekt am historischen Vorbild des Culmer Hofes orientieren und ihre Planung mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen müssen.

* laut Peter Merseburger, Der schwierige Deutsche Kurt Schumacher, Stuttgart 1995, S. 17
Die Abbildungen des Culmer Hofes stammen aus der Publikation Chełmno na starej pocztówce – Chełmno auf alten Postkarten, herausgegeben im Jahr 2000 vom Museum des Culmer Landes

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 15.01.2008]