Weichselbrücke

Weichselbrücke bei Culm (Chełmno) am 10. Februar 2008
Jahrhundertelang mussten Reisende die Weichsel bei Chełmno (Culm) mit Booten oder einer Fähre überqueren. Noch heute erkennt man am Flussufer die Zufahrtsstraße zur Fährstelle. In den Wintermonaten wurde, sofern die Eisschicht dick genug war, ein Weg über den Fluss ausgewiesen.

Erst 1945 wurde nach der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee eine eigentlich als Provisorium gedachte Holzbrücke errichtet, die bis Anfang 1963 Bestand hatte. 18 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie schließlich durch die seinerzeit längste Weichselbrücke abgelöst, die die Verkehrsanbindung der Region deutlich verbessert hat.

Der Abbruch der Holzbrücke fiel mit der Endphase des Baus der heute noch vorhandenen und 2007 aufwändig sanierten Brücke zusammen. Der Entwurf wurde von Büros in Warszawa (Warszawskie Biuro Studiów i Projektów Budownictwa Komunikacyjnego) und Zabrze (Przedsiębiorstwo Projektowo-Produkcyjne Konstrukcji Stalowych i Urządzeń Przemysłowych) erstellt.

Mit den Bauarbeiten wurde 1959 begonnen. Ausgeführt wurden sie von einem Brückenbauunternehmen aus Płock (Płockie Przedsiębiorstwo Robót Mostowych) unter der Leitung von Leon Jarząbek, das bis zu 150 Personen für diese Aufgabe einsetzte. Zunächst wurden Zufahrtsstraßen mit einer Länge von 4300 m geschaffen, die an den Brückenköpfen 12 m breite Aufschüttungen erforderlich machten. Die neue Brücke selbst hat eine Länge von 1062 m. Sie besitzt eine neun Meter breite Fahrbahn sowie an beiden Seiten Fußwege mit einer Breite von zwei Metern. Sie wurde am 22. Juli 1963 offiziell eröffnet.

Seit dem 7. September 2013 ist die Brücke nach Stanisław Skalski benannt.

Quelle:
Anna Grzeszna-Kozikowska, Jubileusz chełmińskiego mostu, Czas Chełmna 28.11.2008, S. 6

[Beitrag ergänzt am 26.10.2015]

Schiffsanlegestelle an der Weichsel bei Culm / Chełmno

Alte Schiffsanlegestelle an der Weichsel bei Culm / Chelmno

Nur noch sporadisch genutzt wird die Schiffsanlegestelle an der Weichsel bei Culm (Chełmno), die früher wegen der an dieser Stelle vorhandenen Weichselfähre nicht so einsam und verlassen war wie heute. Im Hintergrund erkennt man die 1963 gebaute Weichselbrücke, die Teil der bedeutsamen Landesstraße 91 (Europastraße 75) ist. Die nächste Möglichkeit, die Weichsel zu überqueren, gibt es in Richtung Süden erst in Bromberg (Bydgoszcz)-Fordon und in Richtung Norden in Graudenz (Grudziądz).

Blick ans westliche Weichselufer von der Schiffsanlegestelle bei Culm / Chelmno aus

Die Weichsel bildet in dieser Region einen relativ breiten Fluss. Kaum zu glauben, dass früher im Winter, als wegen Eisbildung der Fährverkehr eingestellt werden musste, Bretter auf dem Eis ausgelegt wurden, auf denen man die Weichsel überqueren konnte. In Tageszeitungen aus dem 19. Jahrhundert findet man in den Wintermonaten häufig kurze Meldungen über die Beeinträchtigung des Fährverkehrs und die Eisdicke auf der Weichsel.

Das folgende Foto vermittelt einen noch besseren Eindruck von der Mächtigkeit der Weichsel. Der Blick geht von der Schiffsanlegestelle in südliche Richtung.

Blick von der Schiffsanlegestelle bei Culm / Chelmno auf die Weichsel in südliche Richtung

Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2008.