Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal von 1889 auf dem Markt von Culm - ChelmnoDenkmäler errichtet man in der Regel für die Ewigkeit. Infolge politisch-gesellschaftlicher Veränderungen werden sie aber nicht selten als Relikte früherer Epochen bereits nach relativ kurzer Zeit durch dem gerade aktuellen Zeitgeist genehme Symbole ersetzt.

Als Beispiel für derartige Entwicklungen kann das 6,58 m hohe Kriegerdenkmal dienen, das auf dem Culmer Marktplatz südwestlich des Rathauses laut seiner Inschrift den tapferen Kriegern aus Stadt und Kreis Culm zum ehrenden Andenken angefertigt und am 18. August 1889 unter der Beteiligung von rund 3000 Einwohnern und Gästen feierlich (für heutige Begriffe mit patriotischem Pathos) enthüllt wurde. Die ersten beiden Postkartenausschnitte zeigen das Kriegerdenkmal an seinem ursprünglichen Standort. Die oberhalb der Felder mit den Inschriften erkennbaren runden Medaillons enthalten Porträts damals in Preußen bedeutender Persönlichkeiten – Wilhelm I., Friedrich II., General Helmuth von Moltke und Otto von Bismarck.

Kriegerdenkmal von 1889 auf dem Markt von Culm - ChelmnoMit einem Metallzaun umgeben, stand das Denkmal, das an den Tod der in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Soldaten Rudolf Meier, Martin Friedrich Bensemann, Johann Sobiechewski, Richard Consentius, Ernst Philipp Gottlieb Lange, Paul Ernst Albert Raabe, Emil Carl Leitreiter, Johann Stephan, Gottlieb Fuchs, Ferdinand Julius Bundt, Wilhelm Heuser, Karl Schlag und Franz Urbanski erinnerte, über 30 Jahre lang bis zum Ende der preußischen Ära im Jahr 1920 auf dem Marktplatz.

Nachdem der erste polnische Bürgermeister Dr. Ottomar Krefft am 20. Januar 1920 offiziell die Geschäfte von seinem deutschen Amtsvorgänger übernommen hatte, wurde bereits am 11. Februar der Beschluss gefasst, das Kriegerdenkmal vom Markt der nun zum polnischen Staat gehörenden Stadt Chełmno zu entfernen. Die Demontage übernahm der örtliche Maurermeister Władysław Płuciński. Die wichtigsten Bestandteile des Denkmals, nämlich die Granitblöcke, wurden auf den evangelischen Friedhof östlich der Altstadt verbracht und der Metallzaun im Wasserturm an der ul. Dominikańska deponiert. Da offensichtlich keine kurzfristige Einigung mit der evangelischen Kirchengemeinde über das weitere Schicksal des Denkmals erzielt wurde, ordnete die Stadtverwaltung 1923 an, es wieder vom Friedhof zu nehmen und im Wasserturm oder einem anderen Lagerort abzustellen. Schließlich kam es offensichtlich doch zu einer Verständigung mit der vorwiegend aus Angehörigen der deutschen Minderheit bestehenden evangelischen Kirchengemeinde mit Pastor Johannes Frese an der Spitze, die das Denkmal 1930 feierlich auf ihrem Friedhofsgelände aufstellte, und zwar in unmittelbarer Nähe von Gräbern im Ersten Weltkrieg gefallener Soldaten am Hauptweg des Friedhofs, der von der ul. Dworcowa bis zur ul. 3 Maja führte.

Kriegerdenkmal von 1889 ab 1940 am Landratsamt in Culm - ChelmnoAber auch dort fand das Kriegerdenkmal nur für gut ein Jahrzehnt eine neue Heimat. Nach der im September 1939 erfolgten Besatzung der Stadt Chełmno durch das Dritte Reich suchten die nationalsozialistischen Machthaber einen Ersatz für das polnische Grab des unbekannten Soldaten. Da den NS-Ideologen ein Denkmal für tapfere Krieger mehr zu taugen schien als die zu preußischer Zeit hier platzierte Büste von Kaiser Friedrich III., stellte man nicht wieder ein Kaiserdenkmal auf, sondern verlegte (wahrscheinlich im Jahr 1940) das Kriegerdenkmal vom nahe gelegenen Friedhof auf den Platz neben dem Landratsamt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal beseitigt und der Vorkriegszustand durch die erneute Anlage des Grabs des unbekannten Soldaten wieder hergestellt. Das Kriegerdenkmal wurde nun endgültig zerstört, indem es zersägt und seine Einzelteile unterschiedlichen Zwecken zugeführt wurden.

Quellen:

  • Soborska-Zielińska, Anna: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 16 ff. (Pomnik wojaków)
  • Bilder: Postkarten aus moje-chelmno.pl

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 22.03.2008]

Grab des unbekannten Soldaten

Grab des unbekannten Soldaten in Culm / Chełmno am 8. November 2008Das Grab des unbekannten Soldaten befindet sich zwischen dem Gebäude der Stadtverwaltung und der Neue Promenade genannten Parkanlage [Standort bei Google Maps]. An ihm finden an staatlichen Feiertagen offizielle Veranstaltungen statt.

Geschaffen wurde es, wahrscheinlich durch eine spontan ergriffene Initiative von Teilnehmern an einem gerade in der Stadt abgehaltenen Offizierslehrgang, in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1925. Offensichtlich wollte man der am selben Tag erfolgenden Einrichtung des Grabs des unbekannten Soldaten in der Hauptstadt Warschau nacheifern und fünf Jahre nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit auch in Culm ein patriotisches Zeichen setzen. Dieser Ort eignete sich dafür besonders gut, denn von 1890 bis 1920 stand an dieser Stelle ein Denkmal des deutschen Kaisers Friedrich III.

In den Vormittagsstunden des 2. November 1925 wurde von der in Culm stationierten polnischen Armeeeinheit rasch der Rahmen für die Übergabe des Grabes des unbekannten Soldaten an die Stadt geschaffen, die nach einer Messe in der Garnisonskirche, einem feierlichen Marsch durch die Stadt und der Segnung durch Pfarrer Dr. Zygmunt Rogala erfolgte.

Bis 1939 fanden am Grab des unbekannten Soldaten regelmäßig patriotische Feiern statt. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ließen die nationalsozialistischen Besatzer die Grabplatte beseitigen und stellten dort das alte Kriegerdenkmal aus preußischer Zeit auf, das von 1889 bis 1920 auf dem Markt stand und nach der Eingliederung Culms in den neu erstandenen polnischen Staat auf den evangelischen Friedhof verlegt worden war.

1945 wurde die alte Grabplatte wieder an ihren Platz gebracht und in den sechziger Jahren aufgrund von Beschädigungen gegen eine neue ausgetauscht. 1995 erfolgte eine erneute Neuanfertigung der Grabplatte, die die schlichte Inschrift Grab des unbekannten Soldaten trägt.

Unklar ist, ob an dieser Stelle überhaupt die sterblichen Überreste eines Soldaten beigesetzt worden sind. Aufgrund der in großer Eile erfolgenden Schaffung 1925 ist eine Bestattung in diesem Jahr ausgeschlossen. Möglich ist aber, dass anlässlich des Austauschs der Grabplatte in den sechziger Jahren die Gebeine von im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten hierher umgebettet wurden.

Culm ist die einzige polnische Kleinstadt, in der es noch ein Grab des unbekannten Soldaten gibt. Andere befinden sich nur noch in Großstädten, nämlich Bromberg (Bydgoszcz), Krakau (Kraków), Lodsch (Łódź), Lublin und Warschau (Warszawa).

Quelle:

  • Soborska-Zielińska, Anna: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 49 ff. (Grób Nieznanego Żolnierza)

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 08.11.2008]

Unabhängigkeitsdenkmal

Der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1918 wird in Polen am 11. November, einem gesetzlichen Feiertag, gedacht. An dieses Ereignis vor nunmehr 90 Jahren erinnert in Chełmno (Culm) ein Unabhängigkeitsdenkmal, das vor genau zehn Jahren errichtet worden ist. Es liegt weit weg von anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt unmittelbar an der verkehrsreichen Landesstraße Nr. 1 nördlich des Betriebsgeländes der Polstermöbelfabrik Helvetia. Das Denkmal wird gebildet von einer 135 cm hohen und 80 cm breiten Bronzetafel, die an einer 280 cm hohen und 600 cm breiten Mauer aus hellen Ziegeln angebracht ist, und es steht am Ende einer mit Kies versehenen Fläche unmittelbar vor dem Werkszaun.

Standort des Unabhängigkeitsdenkmals in Culm / Chełmno am 8. November 2008

Die für ein derartiges Denkmal ungünstige und eigentlich unangemessene Lage ist eine Folge der Vorgeschichte dieser Stelle, die bereits zu preußischer Zeit mit einem (deutsch-)nationalen Symbol besetzt worden war. Damals gab es weder die Fabrik noch die Fernstraße, die beide erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. An diesem erhöht gelegenen Ort wurde 1909 auf freiem Feld ein Bismarckturm gebaut, der kurz nach der Unabhängigkeit Polens als Symbol deutscher Herrschaft abgetragen wurde. An seine Stelle sollte nun, vielleicht in Anlehnung an den bekannten Kościuszko-Hügel und weitere derartige Objekte bei Kraków (Krakau), ein weithin sichtbarer Freiheitshügel treten. Mit seiner Aufschüttung begann man im Rahmen groß angelegter Feierlichkeiten unter Anwesenheit aller wichtigen örtlichen Würdenträger am 3. Mai 1921, dem 130. Jahrestag der Verabschiedung der Verfassung von 1791. Der Landrat Dr. Paweł Ossowski wandte sich mit folgendem Appell an die Bevölkerung:

Einwohner des Culmer Kreises! Wo ein solcher Hügel aufgeschüttet wird, dürfen unsere helfenden Hände nicht fehlen! Werfen wir Erde aus dem gesamten Kreis Culm auf, unsere polnische Erde, freie Erde, aus allen unseren Gemeinden, aus allen Ortschaften des Kreises!

Obwohl sich die Menschen anfänglich noch mit Elan an diesem Projekt beteiligten, konnte der Freiheitshügel nie vollendet werden. 1933 wandte sich eine Gruppe Culmer Bürger sogar mit dem ausdrücklichen Antrag, für eine vollständige Aufschüttung zu sorgen, an den Magistrat, jedoch wurden von amtlicher Stelle keine weiteren Schritte unternommen. Mittlerweile hatte auch das seit 1925 in der Stadtmitte gelegene Grab des unbekannten Soldaten die Funktion des Veranstaltungsortes für offizielle Feiern übernommen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände von den deutschen Besatzern planiert und als Truppenübungsplatz genutzt.

Unabhängigkeitsdenkmal in Culm / Chełmno am 8. November 2008

Erst kurz vor der Wende, nämlich 1988, begründete Jerzy Kałdowski, der damalige Direktor des Museums des Culmer Landes, eine Initiative, die sich zum Ziel setzte, an der Stelle des einstigen Freiheitshügels ein Unabhängigkeitsdenkmal zu errichten. Zunächst plante man ein Monument und ließ zwei unterschiedliche Entwürfe vorbereiten, konnte aber mangels ausreichender Spenden nur den Guss einer Bronzetafel mit folgender Inschrift in Auftrag geben:

1918-1920
Zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit durch Polen und den 68. Jahrestag der Befreiung Culms von der preußischen Herrschaft.

Die Einwohnerschaft Culms
1988

An der Stelle des Freiheitshügels vom 3. Mai 1921

Ganz unten befindet sich noch folgende Inschrift, die ein Fragment eines von Jerzy Kałdowski verfassten Liedes darstellt:

Sei gegrüßt, unabhängiges Vaterland, sei gegrüßt –
unsere heiligste Republik!

Zur Entstehung des Denkmals kam es vor der Wende nicht mehr. Die Bronzetafel wurde zehn Jahre lang im städtischen Museum verwahrt. 1998 bot sich angesichts des „runden“ Unabhängigkeitstags die Gelegenheit, das Unabhängigkeitsdenkmal zu vollenden. Entgegen den ursprünglichen Entwürfen, die den Einsatz eines Findlings vorsahen, errichtete man eine fünfteilige Ziegelmauer (übrigens nicht exakt an der Stelle des Freiheitshügels) und befestigte an ihr die Bronzetafel. Im Rahmen einer Feierstunde wurde das Unabhängigkeitsdenkmal am 10. November 1998 feierlich enthüllt.

Unabhängigkeitsdenkmal in Culm / Chełmno am 8. November 2008


Quellen:

  • Anna Soborska-Zielińska, Pomnik Niepodległości, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 205 ff
  • Anna Soborska-Zielińska, Kopiec Wolności, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 26 ff


[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 08.11.2008]