Grabmal für Nikodem Bardzki (1822 – 1863)

Das Grabmal für Nikodem Bardzki (1822 – 1863) gehört zu den ältesten, die auf dem katholischen Friedhof in Chełmno erhalten geblieben sind. Der Grabstein ist vom Steinmetz Herman Neuenford aus Bydgoszcz (Bromberg) angefertigt worden.

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Eine Inschrift auf dem Grabstein besagt:

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Hier ruhen die sterblichen Überreste des seligen
Nikodem Bardzki
geboren am 1. September 1822, verstorben am 24. Oktober 1863
Um ein Gebet [für ihn] bitten die hinterbliebene Gattin
und die dankbaren Kinder.

 

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wohnte Nikodem Bardzki mit seiner Familie in Chełmno, und zwar in einem Haus am Markt. Er hat aktiv den Januaraufstand 1863 unterstützt.

bardzkiGazetaWarszawskaTodestagVielleicht wird aus diesem Grund in verschiedenen Quellen der 24. Januar 1863 als sein Todestag genannt. Dass er aber tatsächlich, wie auf dem Grabstein vermerkt, am 24. Oktober verstorben ist, belegt ein knapper Vermerk in der Gazeta Warszawska („Warschauer Zeitung“) vom 29. Oktober 1863.

Der Januaraufstand, eine gegen die russische Teilungsmacht gerichtete polnische Erhebung in von dieser beherrschten Gebieten, war im Übrigen nicht auf den Monat Januar des Jahres 1863 beschränkt, sondern dauerte bis zu seiner Niederschlagung über ein Jahr an.

Quellen:

Anna Grzeszna-Kozikowska, Pomnik Powstańca Styczniowiego Nikodema Bardzkiego, online: http://www.fluidi.pl/o,2768/Pomnik_Powstanca_Styczniowiego_Nikodema_Bardzkiego

Rada Ochrony Pamięci Walk i Męczeństwa (Ogólnopolska Komputerowa Baza Cmentarzy Wojennych), Chełmno – mogiła powstańca styczniowego z 1863 r. Nikodema Bardzkiego, online: http://groby.radaopwim.gov.pl/grob/12519/

Gazeta Warszawska 1863, Nr. 247, online: http://fbc.pionier.net.pl/id/oai:ebuw.uw.edu.pl:80563

Grabstätte Wilhelm Doerner

Grabmal von Wilhelm Doerner in Culm / Chelmno - 2. November 2008, Foto: Grzegorz Góra

1893 wurde Wilhelm Doerner auf dem katholischen Friedhof in Culm beigesetzt. Sein Grabmal befindet sich unmittelbar an der Stadtmauer. Hier ruhet in Gott unser lieber Vater lautet die Inschrift über seinem Namen.

Grab Wilhelm Doerner auf dem katholischen Friedhof in Culm / Chelmno - 2. November 2008, Foto: Grzegorz Góra

Autor des in diesem Beitrag gezeigten Bildmaterials ist Grzegorz Góra, Betreiber der Website moje-chelmno.pl. Weitere schöne Fotos aus Culm und Umgebung finden Sie auch in seiner Fotogalerie unter ggora.art.pl.


Geschichte der jüdischen Gemeinde

Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Culms war lange Zeit nicht im Detail erforscht worden. Im September 2007 ist das Buch Z dziejów gminy żydowskiej w Chełmnie /
From the history of Jewish community in Chełmno,
verfasst von der im städtischen Museum tätigen Historikerin Anna Soborska-Zielińska, erschienen, das einen Überblick über das Schicksal der jüdischen Gemeinde von Culm liefert.

Zusammenfassung des Inhalts:

Einleitend stellt die Autorin Erkenntnisse über den Aufenthalt Menschen jüdischen Glaubens in Culm (poln. Chelmno) seit dem Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert dar. Sie geht davon aus, dass die jüdische Gemeinde in Culm formell 1820 gegründet worden ist. 1839 wurde ihr die amtliche Genehmigung erteilt, eine Synagoge bauen zu dürfen. 1842 erwarb die Gemeinde dann einen Obst- und Gemüsegarten an der Querstraße (poln. ul. Poprzeczna). Dieser wurde mit einer benachbarten Parzelle zusammengelegt, die bereits 1834 von zwei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde gekauft worden war, und diente als Baugrundstück. Bald darauf wurde die 18,86 m lange und 16,9 m breite Synagoge errichtet, von der leider keine Abbildungen erhalten sind. Bekannt ist lediglich eine Zeichnung der Vorderfront, die anlässlich eines Umbaus im Jahr 1911 entstand (im Buch abgebildet auf der Seite 90). Die Synagoge diente der jüdischen Bevölkerung des Kreises Culm sowie angrenzender Ortschaften. Das Buch enthält eine detaillierte Beschreibung des Einzugsbereichs. [S. 12-14]

In der Nähe der Synagoge befand sich an der Ritterstraße (ul. Rycerska) seit 1902 ein 6,70 x 3,10 m großes jüdisches Schlachthaus, in dem ein qualifizierter Schächter seine Arbeit verrichtete. [S. 13]

Lage des evangelischen und jüdischen Friedhofs in Culm (Chelmno) laut Katasterplan 1861-1903Es wird davon ausgegangen, dass die ersten Bestattungen auf dem jüdischen Friedhof in Culm im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert erfolgten. Dieser erstreckte sich mit einer Breite von 31-33 m und einer Länge von 143,6 m an der damaligen Ackerstraße (poln. ul. Rolna, heute ul. Powstancow Wielkopolskich), an der sich auch der Eingang befand. Im Jahr 1906 wurde seine Fläche mit 4463 qm angegeben. 1895 wurde ein 17,6 m langes und 9,6 m breites Taharahaus errichtet, in dem die Verstorbenen nach jüdischem Ritus auf die Bestattung vorbereitet wurden. Eine Zeichnung des Taharahauses aus den Akten der preußischen Baubehörde ist ebenso erhalten geblieben wie eine Darstellung eines Grabmals für Saling Lazarus, der die Geldmittel für den Bau des Taharahauses bereitstellte und im selben Jahr eine Ruhestätte für seine Familie errichten ließ. Die Zeichnungen sind im Buch auf den Seiten 89 und 91 dargestellt. [S. 14-15]

Die Zerstörungswut der nationalsozialistischen Besatzer, die dafür sorgten, dass sowohl Synagoge als auch der Friedhof der jüdischen Gemeinde vollkommen aus dem Stadtbild verschwanden, überdauert hat das 1865 errichtete Haus an der heutigen ul. Dominikanska 7, in dessen Kellerräumen die Mikwe, also das rituelle Tauchbad der jüdischen Gemeinde Culms, untergebracht war. 1919 verkaufte die Gemeinde das Haus, wahrscheinlich deshalb, weil viele Gemeindemitglieder im Vorfeld der Eingliederung der Stadt in den jungen polnischen Staat nach Deutschland zogen und die Unterhaltung des Gebäudes zu teuer wurde. [S. 15]

Anna Soborska-Zielinska befasst sich in ihrem Buch weiter umfassend mit dem Besuch Culmer Schulen durch jüdische Kinder und Jugendliche. [S. 15 ff] Auf den Seiten 113 – 127 befindet sich eine detaillierte Aufstellung der Schüler jüdischen Glaubens, die in den Jahren 1837 bis 1939 das Gymnasium in Culm besucht haben.

In den folgenden Kapiteln ihrer Publikation stellt die Autorin die soziale und gesellschaftliche Situation der jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert näher dar. Abgedruckt sind u.a. eine Aufstellung jüdischer Bürger der Stadt aus dem Jahr 1832 sowie ein Verzeichnis jüdischer Geschäftsinhaber aus dem Jahr 1937. An vielen Einzelbeispielen beschreibt Anna Soborska-Zielińska, welchen Berufen jüdische Einwohner nachgingen. [S. 19 ff]

Erhalten haben sich Informationen über das politisch-gesellschaftliche Engagement jüdischer Bürger zur preußischen Zeit. So war der 1895 verstorbene Bankier Arnold Ruhemann viele Jahre lang Mitglied des Stadtrats und sogar Ratsvorsitzender. 1909 waren von 36 Ratsmitgliedern fünf jüdischen Glaubens. Elf Männer dienten während des Ersten Weltkriegs in der deutschen Armee und starben infolge von Kriegsverletzungen. Ab 1920 kamen die männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihrer Wehrpflicht in der polnischen Armee nach. [S. 21 ff]

Weiter beschreibt Anna Soborska-Zielinska das polnisch-jüdische Verhältnis in den Zwischenkriegsjahren, insbesondere nennt sie Beispiele und Gründe für antisemitische Haltungen. Sie erwähnt, dass diese auch in der Presse zum Ausdruck kamen. [S. 24 f]

Zur Ergänzung der Ausführungen der Autorin möchte ich bei dieser Gelegenheit auf zwei Artikel aus der Tageszeitung „Goniec Nadwislanski“ hinweisen, auf die ich zufällig gestoßen bin: Die Zeitung lobt in ihrer Ausgabe vom 28.12.1927 in einer kurzen Meldung den Cafebesitzer Władysław Frackowiak für den Kauf des Hauses an der ul. Rybacka 7, für das sich offenbar seit längerer Zeit jüdische Geschäftsleute interessiert hatten. Dem polnischen Erwerber gebühre „aufrichtige Anerkennung“ für den Erwerb „dieses vom Übergang in uns feindliche jüdische Hände bedrohten Hauses“, kommentiert die Zeitung. Am 18.11.1927 wiederum rügt die Zeitung einen namentlich genannten polnischen Hauseigentümer aus Culm, weil er Geschäftsräume an einen jüdischen Kaufmann vermietet hatte. Auch die Vermietung einer Wohnung an eine jüdische Familie durch einen anderen Einwohner der Stadt wird mit scharfen und klar antisemitischen Worten von der Zeitung kritisiert.




Die Seiten 25 bis 31 enthalten statistische Daten über die jüdische Bevölkerung Culms. Im Jahr 1816 sind 42 der 3525 Einwohner der Stadt Culm jüdischen Glaubens. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte nimmt die Einwohnerzahl bis 1864 auf 8262 zu. Davon sind 520 Juden. Ihre Zahl geht danach zurück. 1910 werden nur noch 248 Personen jüdischen Glaubens verzeichnet. Nach der Eingliederung Culms in den wieder erstandenen polnischen Staat wandern viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde nach Deutschland, Danzig oder Amerika aus. 1921 zählt die Gemeinde 77 und 1923 nur noch 39 Mitglieder. Sechs Jahre später sind es 44.

Die Seiten 32 und 33 sind der Organisation der jüdischen Gemeinde gewidmet, deren wichtigste Organe von 1847 bis 1928 ein dreiköpfiger Vorstand und ein Gemeinderat mit neun Mitgliedern waren, die alle sechs Jahren neu gewählt wurden. Für einige Kadenzen ist die namentliche Zusammensetzung dieser Gremien bekannt. Bis 1932 blieb die jüdische Gemeinde in Culm selbständig. Angesichts der abnehmenden Mitgliederzahl besaß sie in der Zwischenkriegszeit keinen Rabbiner mehr und wurde schließlich 1932 der Gemeinde in Graudenz (Grudziadz) angeschlossen.

Überliefert sind die Namen von drei Rabbinern der Culmer Gemeinde: Ab 1861 (vielleicht auch schon früher) übte Dr. Fabian Feilchenfeld, Religionslehrer am Culmer Gymnasium, diese Aufgabe aus. Seine 1861, 1864 und 1869 geborenen Söhne besuchten diese Lehranstalt. Sein Nachfolger wurde Dr. Moritz Salzberger (Vater von Georg Salzberger), der ab 1878 am Gymnasium unterrichtete, bis er 1886 nach Erfurt zog. Ebenfalls als Religionslehrer am Gymnasium tätig war ab 1887 Dr. Moritz Guttmann, dessen beiden Söhne dort zur Schule gingen. Guttmann verstarb 1914 in Culm.

Mit dem Zweiten Weltkrieg und der nationalsozialistischen Besatzung endet die Geschichte der jüdischen Gemeinde Culms auf tragische Weise. In den ersten Monaten nach der Okkupation Polens, also im Herbst 1939, kommt es zu planmäßig durchgeführten Verhaftungen und der Ermordung von Menschen, die der polnischen Intelligenz zugerechnet wurden, aber auch Menschen jüdischer Abstammung (vgl. hierzu das Kapitel Vernichtungsmaßnahmen im Beitrag Die nationalsozialistische Okkupation Kulms 1939-1945). Die meisten der in Culm wohnenden Juden – einige konnten fliehen und kamen schließlich ins Warschauer Ghetto – wurden im Wald bei Klamry ermordet, nämlich Artur Breslauer, Paula Bukowcer, Berta, Dora und Szmul Cuker, Izydor und Jenny Feibel, Maks und Minna Feibus, Selma und Zygfryd Ginzel sowie ihr Sohn, Artur und Jenny Loewenberg, Frieda Reinfeld, Regina und Szmul Rein sowie Szymon Wejner (S. 34 oben).

Auf der Seite 33 erinnert die Autorin daran, dass vor ihrer Ermordung jüdische Einwohner Culms von Deutschen durch die ul. Rycerska und ul. Torunska getrieben und gezwungen wurden, auf dem Marktplatz mit Löffeln Unkraut aus den Fugen des Kopfsteinpflasters zu kratzen.

Ende Oktober oder Anfang November 1939 sprengten die Deutschen die Synagoge und verbaten der Feuerwehr, den ausgebrochenen Brand zu löschen. Noch verwendbares Baumaterial wurde verkauft. So erwarb der Landwirt Teodor Brüggemann aus Dorposz am 4. November 1939 Ziegel für den Bau eines Stalls. Das Grundstück wurde vollkommen geräumt, um jedwede Spuren, die an die Synagoge erinnern könnten, zu beseitigen. Zunächst wurde hier ein Kinderspielplatz angelegt, später entstanden Garagen (Nachtrag vom 13.07.2012: Die Lage der Synagoge wird in folgendem Beitrag beschrieben: Standort der 1939 zerstörten Synagoge in Chełmno).

Von der Bildfläche verschwinden sollte auch der jüdische Friedhof. Selbst aus seiner Auflösung schlug die NS-Verwaltung noch wirtschaftlichen Profit, verkaufte nämlich die Grabsteine aus Granit an den Steinmetz Jacob Job aus Bydgoszcz. Das Friedhofsgelände wurde eingeebnet und für den Bau von Mehrfamilienhäusern ausgewiesen. Diese Arbeiten liefen bis Anfang 1943. Am 24. Januar 1944 wurde die 4463 qm große Fläche für 6694,50 Reichsmark an die Neue Heimat Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft der Deutschen Arbeitsfront im Gau Danzig-Westpreußen verkauft.

Auf den Seiten 35-36 beschreibt Anna Soborska-Zielinska das Engagement der Familie Kaczmarek, die in der ul. Rycerska wohnte und 1943 das jüdische Mädchen Rebeka Motyl aufnahm, dessen Mutter kurz nach Kriegsausbruch von den Deutschen ermordet worden war und dessen Vater auf der ständigen Flucht einen sicheren Ort für Rebeka und ihren Bruder Mieczyslaw suchte. Die Familie Motyl wohnte vor dem Krieg in Golub, rund 60 km von Culm (Chelmno) entfernt. 1943 wurden schließlich dort die beiden Kinder von Jozef Matuszewski aufgenommen, der jedoch fürchtete, dass die Kinder in ihrer Heimatstadt erkannt werden könnten. Daher brachte er Mieczyslaw bei der Familie seiner Ehefrau in der Nähe von Cekcyn unter, Rebeka hingegen bei seiner Schwester Wladyslawa, die mit ihrem Ehemann Franciszek und der Tochter Teresa in Culm wohnte. Es gelang, für Rebeka falsche Ausweispapiere auf den Namen Regina Kwiatkowska zu beschaffen und am 20. Januar 1944 wurde Rebeka als „Regina“ behördlich gemeldet. Da das Mädchen bald das schulpflichtige Alter erreicht hatte, wurde Franciszek Kaczmarek mehrmals vorgeladen, konnte jedoch die ihn befragenden Beamten überzeugen, dass es sich um das Kind entfernter Verwandter handele, die durch Kriegseinwirkungen ums Leben gekommen seien. Gefährlich war zudem der Umstand, dass das Haus der Kaczmareks in der ul. Rycerska an das des SS-Mitglieds Plotzke grenzte, dessen Kinder sogar mit „Regina“ auf dem Hof zusammen spielten. Jedoch blieb die wahre Identität „Reginas“ bis zum Abzug der deutschen Besatzer unentdeckt. Ihr Vater erschien zwar nach Kriegsende in Culm, verließ die Stadt dann aber wieder, ohne dass sein weiteres Schicksal bekannt ist. Danach bot sein Bruder Samuel an, Rebeka aufzunehmen, jedoch wollte das Mädchen bei den Kaczmareks bleiben, für die sie mittlerweile wie eine zweite Tochter war. Schließlich wurde Rebeka jedoch von Vertretern der jüdischen Gemeinde in Polen abgeholt und kam gemeinsam mit ihrem Bruder Mieczyslaw über die Tschechoslowakei und Deutschland nach Frankreich. Noch 1947 schickte Rebeka ihrer Pflegefamilie Briefe nach Polen. Schließlich wanderte sie nach Israel, ihr Bruder in die USA aus. 1991 besuchte Rebeka zum ersten Mal nach langen Jahren Polen und traf auch Wladyslawa und Teresa Kaczmarek, die am 3. Dezember 1991 in Warschau ebenso wie der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbene Franciszek Kaczmarek für die Rettung Rebeka Motyls mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden.

Im Folgenden enthält das Buch eine ausführliche Beschreibung des Verlaufs der Veranstaltung Pamięć i Tolerancja (Gedächtnis und Toleranz), die am 12. und 13. Mai 2007 in Chelmno und Swiecie stattfand und vor allem dem Gedenken an die jüdischen Gemeinden der beiden Weichselstädte diente.

Das Buch beruht auf eingehenden Recherchen und enthält viele Detailangaben wie beispielsweise viele Namen jüdischer Einwohner der Stadt, deren Nennung den Rahmen der obigen Zusammenfassung sprengen würde.

 

Kartenausschnitt mit Lage des jüdischen Friedhofs aus: Czacharowski, Antoni (Hrsg.), Atlas historyczny miast polskich, Tom I, Prusy Królewskie i Warmia, Zeszyt 3 Chełmno [Historischer Atlas polnischer Städte, Band I, Königliches Preußen und Hochstift Ermland, Heft 3 Kulm], Toruń 1999

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 18.02.2008]

Gedenkstein auf katholischem Friedhof

Gedenkstein zur Erinnerung an verdiente Einwohner auf dem katholischen Friefhof in Culm / Chelmno - 30. März 2008Dieser Gedenkstein befindet sich nördlich des an der ul. Toruńska liegenden Haupteingangs des katholischen Friedhofs in Culm. Er dient laut Inschrift der Erinnerung an verdiente Culmer, deren sterblichen Überreste auf diesem oder anderen Friefhöfen ruhen.

Gestiftet wurde der Gedenkstein 2006 vom Gesellschaftlichen Komitee für die Betreuung von Gräbern verdienter Culmer, das unter anderem jedes Jahr vor Allerheiligen Spenden für die Pflege erhaltenswerter Gräber auf dem Friedhof sammelt.

Trotz mehrfacher Erweiterungen im Laufe des 20. Jahrhunderts bot der Friedhof nicht immer ausreichend Fläche für die Anlage neuer Gräber, so dass häufig ältere Grabstellen neu belegt wurden und die ursprünglichen Grabsteine dadurch verschwanden. Die ältesten Gräber, die heute erhalten sind, stammen daher erst aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.


Katyń-Denkmal

Der berühmte Regisseur Andrzej Wajda hat in seinem 2007 produzierten Film Katyń ein Ereignis und seine Nachwirkungen verarbeitet, das sich tief ins Bewusstsein der polnischen Gesellschaft eingebrannt hat.

Mit einem geheimen Zusatzprotokoll zum später als Hitler-Stalin-Pakt bezeichneten Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 hatten das Dritte Reich und die Sowjetunion ihre Interessensphären in Polen abgesteckt. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 und dem für die polnische Bevölkerung überraschenden Einrücken der Sowjetarmee am 17. September 1939 in Ostpolen wurde diese vierte Teilung Polens durch den sog. deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag am 28. September 1939 besiegelt. Durch das relativ schnelle Vorrücken der deutschen Armeen hatte sich das Kriegsgeschehen ab Mitte September vorwiegend nach Ostpolen verlagert. Dadurch kamen viele polnische Armeeangehörige und Polizeibeamte in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Das Politbüro der KPdSU erließ im Frühjahr 1940 den Befehl, tausende polnische Gefangene durch den sowjetischen Geheimnis NKWD hinrichten zu lassen. Ihre Leichen wurden an verschiedenen Stellen in Massengräbern verscharrt.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und der Besetzung sowjetischer Gebiete entdeckten Wehrmachtsangehörige im Februar 1943 in einem Waldgebiet bei der Ortschaft Katyń nahe Smolensk Massengräber mit Leichen polnischer Offiziere. Die Polnische Exilregierung forderte darauf eine internationale Untersuchung der Funde, wodurch es zu ihrem Bruch mit Moskau kam. Die Nationalsozialisten nutzten das Massaker von Katyń zu gegen die Sowjetunion gerichteten Propagandazwecken und gestatteten einer internationalen Untersuchungskommission, die unter anderem mit Gerichtsmedizinern besetzt war, die Massengräber in Augenschein zu nehmen. Diese kam zum Schluss, dass die Tötungen der polnischen Offiziere im Frühjahr 1940 erfolgt waren.
Nachdem die Rote Armee Ende 1943 die deutschen Truppen zurückgedrängt hatte, führte die Sowjetunion eine erneute, ihrer Propaganda genehme, Untersuchung durch, die einen späteren Todeszeitpunkt (Herbst 1941) feststellte und den Massenmord dem Dritten Reich anlastete.

Die nationalsozialistische Täterschaft war bis zur Wende 1989/90 Gegenstand der offiziellen Geschichtsschreibung in der Sowjetunion und den anderen Ostblockstaaten. Erst 1990 gestand die Sowjetunion ihre Verantwortung ein. Im Oktober 1992 ordnete der russische Präsident Jelzin an, Polen Kopien von noch vorhandenen Dokumenten über das Massaker zu überlassen, die anschließend sowohl in Polen als auch in Russland veröffentlicht worden sind. Bis heute laufen historische Forschungen, weil die Geschehnisse vom Frühjahr 1940 bisher nicht im Detail aufgeklärt werden konnten.

Auch in Polen konnte über die wirklichen Täter der Massenexekutionen in der Nachkriegszeit nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werden. Besonders deshalb ist bis heute das Bedürfnis nach vollständiger Aufklärung der Vorgänge und nach einer Erinnerung an die Opfer besonders groß. So hat das polnische Parlament am 14. November 2007 beschlossen, den 13. April als Gedenktag für die Opfer der Verbrechen von Katyń zu begehen.

Mit Katyń verbindet sich ein weiteres tragisches Ereignis der jüngsten polnischen Geschichte, bei dem 96 Menschen starben. Die Passagiere der am 10. April 2010 beim Landeanflug auf den Militärflugplatz Smolensk-Nord abgestürzten polnischen Regierungsmaschine, unter anderem Staatspräsident Lech Kaczyński, seine Ehefrau Maria, der letzte Staatspräsident der Polnischen Exilregierung Ryszard Kaczorowski, hohe Offiziere sowie Vertreter von Parlament, Regierung, Behörden, Glaubensgemeinschaften und Verbänden, waren anlässlich des 70. Jahrestages des Massakers auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Soldatenfriedhof Katyń.

Katyn-Denkmal in Chełmno, 02.07.2012In Culm (Chełmno) erinnert an die aus der Stadt stammenden Offiziere, die 1940 in der Sowjetunion ermordet worden sind, unter anderem ein am 24. Juni 1995 enthüllter Gedenkstein auf dem Platz vor der Garnisonskirche. Dieser enthält in polnischer Sprache folgende Inschrift:

Den Soldaten der Culmer Garnison, nämlich des 66. Kaschubischen Infanterieregiments und des 8. Kavallerieschützenregiments, die vom NKWD im Jahr 1940 in Katyń und an anderen Hinrichtungsstätten während des Zweiten Weltkriegs ermordet worden sind.

Folgende Offiziere der genannten Regimenter, die in Culm stationiert waren, gehören zu den Opfern von Katyń:

66. Kaschubisches Infanterieregiment
Rafał Sołtan
Jerzy Jeleniewicz
Józef Kordasiewicz
Stanisław Podwiński
Józef Ruszar
Władysław Dworczak
Tadeusz Gąsiorowski
Eugeniusz Rykowski
Jerzy Terlicki
Antoni Boczek
Józef Grzanka
Szczepan Eugeniusz Łuczak
Ludwik Młynarczyk
Józef Wawrzyniak
Edmund Wróblewski
Michał Frank
Izydor Janca
Mieczysław Nierzwicki
Leon Porasiński
Paweł Przytuła

8. Kavallerieschützenregiment
Jerzy Staniszewski
Arkadiusz Dejewski
Julian Janas
Kazimierz Duczko
Ignacy Prądzyński
Tadeusz Sikorski

Offizier der Staatspolizei
Witold Nowakowski

Den Offizieren des 66. Kaschubischen Infanterieregiments wurde darüber hinaus eine am 21. Juni 1998 enthüllte Gedenktafel gewidmet, die sich im Innern der Garnisonskirche befindet.

Wie sehr die verbrecherische Kooperation der totalitären Nachbarmächte Polens Einfluss auf das Schicksal einzelner polnischer Familien hatte, zeigt das tragische Lebensende von Jan Nierzwicki (Vater) und Mieczysław Nierzwicki (Sohn).

Der 1874 geborene Zahnarzt Jan Nierzwicki hatte sich nach seinem Studium in München in Culm niedergelassen und engagierte sich noch zu preußischer Zeit in polnischen Organisationen. Während der Zwischenkriegsjahre setzte er sein umfangreiches gesellschaftliches und politisches Engagement fort. Insbesondere hat er als Heimatforscher mehrere Publikationen veröffentlicht, die unter anderem der Geschichte der Kirchengemeinde und der des örtlichen Gymnasiums gewidmet sind.

Zur örtlichen polnischen Führungsschicht zählend, deren Auslöschung sich die Nationalsozialisten zum Ziel gemacht hatten, wurde er kurze Zeit nach der deutschen Besetzung Polens inhaftiert und am 5. November 1939 in Klamry ermordet.

Familiengrab Nierzwicki in Chelmno, Gedenktafeln für Jan und Mieczyslaw NierzwickiSein 1915 in Culm geborener Sohn Mieczysław, der 1934 am örtlichen Gymnasium seine Abiturprüfung bestanden und als Buchhalter in der Przechowo-Młyny i Tartaki S.A. in Przechowo unweit seiner Heimatstadt gearbeitet hatte, wurde als Reserveoffizier dem 66. Kaschubischen Infanterieregiment zugeteilt und gehört zu den Opfern von Katyń.
An Vater und Sohn erinnern Gedenktafeln am Familiengrab auf dem katholischen Friedhof in Culm.


Quellen:

  • Anna Soborska-Zielińska, Pomnik Katyński, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 186 ff
  • Anna Soborska-Zielińska, Tablica pamiątkowa poświęcona oficerom 66 Kaszubskiego Pułku Piechoty im. Marszałka Józefa Piłsudskiego pomordowanym w 1940 roku przez NKWD w Katyniu i innych miejscach kaźni, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 200 ff
  • Stefan Rafiński, Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 131