Katholischer Friedhof

Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden Verstorbene in Culm (Chełmno) in oder unmittelbar neben Kirchen beigesetzt. Innerhalb der Stadtmauern gab es unter anderem Friedhöfe an der Franziskanerkirche, der Dominikanerkirche, der Klosterkirche und der Marienkirche. Außerhalb der Wehrmauer erfolgten Bestattungen an der heute nicht mehr vorhandenen Georgskapelle östlich des Graudenzer Tors.

Lage des katholischen Friedhofs in Culm an der Weichsel / Chełmno nad WisłąDie preußische Verwaltung strebte, wahrscheinlich um einen besseren Schutz vor Seuchen zu gewährleisten, an, nicht mehr die in der relativ dicht besiedelten Stadt gelegenen Kirchhöfe zu nutzen. Vielmehr sollten außerhalb der Stadtmauer neue Friedhöfe entstehen. Dabei konnte sie sich auf eine eindeutige gesetzliche Regelung berufen, nämlich das im Jahr 1794 erlassene Allgemeine Landrecht für die preußischen Staaten. Dessen elfter Teil mit dem Titel „Von den Rechten und Pflichten der Kirchen und geistlichen Gesellschaften“ bestimmte nämlich im § 184: „In den Kirchen, und in bewohnten Gegenden der Städte, sollen keine Leichen beerdigt werden.“

Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde östlich der heutigen Altstadt, entlang der damaligen Ackerstraße (heute ul. Powstańców Wielkopolskich), ein jüdischer Friedhof angelegt. Bereits 1785 war ganz in der Nähe, nämlich südöstlich des Graudenzer Tors, ein evangelischer Friedhof entstanden.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Zu dieser Zeit waren jedoch die meisten Menschen in Culm katholischen Glaubens, so dass vor allem für diese Konfession eine Lösung im Sinne der neuen Vorschriften gefunden werden musste. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete am 29. März 1804 an, einen katholischen Friedhof außerhalb der Stadtmauer einzurichten. Daraufhin stellte die Stadt der katholischen Gemeinde einen Geländestreifen entlang der Stadtmauer zwischen Thorner Straße (ul. Toruńska) bis zum Pulverturm zur Verfügung. Die Kosten für die Begradigung der Fläche und die Errichtung einer Umzäunung wurden mit 657 Reichstalern angegeben. Am 13. September 1805 berief Pfarrer Franciszek Weinreich auf Bitten des Magistrats eine Versammlung der Kirchengemeinde ein, um über den zukünftigen Friedhof und die Kostendeckung zu beraten, jedoch blieben konkretere Schritte zunächst aus.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Infolge der militärischen Niederlage, die das napoleonische Frankreich dem Königreich Preußen zufügte, gehörte Culm ab 1807 bis 1815 zum Herzogtum Warschau, einem napoleonischen Satellitenstaat mit polnischer Administration. Diese richtete am 14. Mai 1809 ein Schreiben an den Magistrat der Stadt und behielt die frühere preußische Anordnung, nämlich Beisetzungen in und an Kirchen in der Stadt einzustellen, bei. Im März 1811 bemühte sich Pfarrer Weinreich bei der Stadt erneut um das anscheinend formell noch nicht übereignete Gelände südwestlich der Stadtmauer in der Nähe der Thorner Straße. Jetzt war er erfolgreich. Der neue Friedhof wurde schließlich 1814 eröffnet. Am 18. Mai des genannten Jahres erging nochmals ein Erlass, der Beisetzungen in den Kirchen und auf den Kirchhöfen verbot.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Der Friedhof zwischen dem ehemaligen Thorner Tor und dem heute noch gut erhaltenen Pulverturm war bereits nach 20 Jahren belegt, so dass er erweitert werden musste. 1835 wurde ein Kaufvertrag mit Ludwik und Joanna Pozzesii über ein benachbartes Grundstück westlich des Pulverturms geschlossen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde dieses Rechtsgeschäft jedoch nicht vollzogen. Die Erweiterung des Friedhofs um diese Fläche erfolgte erst 1852, als die neuen Eigentümer, Karol und Szarlota Suthoff, diese der katholischen Kirchengemeinde schenkten. 1877 wurde von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern ein weiteres Grundstück erworben.

Mit einem Aufwand von 5000 Mark wurde 1907 eine Leichenhalle gebaut, die bis heute genutzt wird. In unmittelbarer Nähe befinden sich an der Böschung unterhalb der Stadtmauer eng nebeneinander errichtete Grabmäler, unter anderem die Ruhestätte der Familie Witt aus dem Jahr 1906 sowie das Familiengrab des Gymnasialdirektors Wojciech Łożyński.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Während des Ersten Weltkriegs wurde erneut eine Erweiterung notwendig, unter anderen aufgrund der behördlichen Anordnung, einen Soldatenfriedhof zu schaffen. Durch einen Grundstückstausch erhielt die Kirchengemeinde eine neue Fläche von der Stadt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof noch mehrmals vergrößert.

Heute nimmt er fast die gesamte Fläche zwischen der ul. Toruńska und der Stadtmauer ein. Lediglich unmittelbar an der ul. Toruńska befinden sich Grundstücke mit Gebäuden. Das teilweise stark abschüssige Gelände erforderte eine terrassenförmige Anlage des im Westen bis zur ul. Danielewskiego reichenden Friedhofs, die seinen besonderen Reiz ausmacht.

Tagsüber ist das Friedhofsgelände frei zugänglich. Um einen kurzen Rundgang zu unternehmen, betritt man den katholischen Friedhof am besten durch den Haupteingang an der ul. Toruńska, der sich unmittelbar südlich der Stadtmauer befindet. Folgt man nun der Hauptallee, sieht man rechts den ältesten Teil des Friedhofs. Ganz am Ende der Hauptallee wendet man sich nach rechts und nimmt die zur Wehrmauer hinaufführende Treppe. Entweder wirft man nun noch einen Blick auf die Gräber unmittelbar an der Stadtmauer oder betritt durch das Tor in der Stadtmauer in Höhe des südlichen Endes der ul. Klasztorna wieder die Altstadt.

Quelle: Anna Grzeszna-Kozikowska, Chełmińskie Powązki, in: Czas Chełmna vom 24. Oktober 2008, S. 6



[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.10.2008]

Grabtafel M. Goettlich (1780-1851)

Grabtafel M. Goettlich Culm

Dieses Foto von Grzegorz Góra aus der Website moje-chelmno.pl zeigt eine ovale Grabtafel, die auf dem katholischen Friedhof in die Stadtmauer eingelassen ist.

Sie trägt die Inschrift M. Goettlich, geb. Janzon, geb. d. 21. Febr. 1780, gest. d. 26. Febr. 1851. Darunter befindet sich ein wegen der Beschädigung nicht vollständig erkennbarer Grabspruch, der in Anlehnung an den Psalm 5,13 wahrscheinlich Gott segnet die Gerechten lautet.

Diese Grabtafel ist leider mittlerweile zerstört worden. Das folgende Foto zeigt den Zustand am 28. März 2008.


Grabschild M. Goettlich Culm am 28. März 2008


Ruhestätte Witt

Auf dem katholischen Friedhof südwestlich der Altstadt befinden sich eine Reihe von gebäudeartigen Grabmälern, die an der Böschung unterhalb der Stadtmauer eng nebeneinander errichtet worden sind. Eine dieser Grabstätten aus dem Jahr 1906 trägt die noch gut sichtbare Inschrift Ruhestätte der Familie Witt in deutscher Sprache. Leider weiß ich nicht, ob dies Ausdruck einer Anpassung an die damalige Amtssprache ist oder ob es sich um eine deutsche Familie katholischen Glaubens gehandelt hat.

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[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 10.12.2007]

Friedhof der Psychiatrischen Anstalt in Schwetz

Friedhof der Psychiatrischen Anstalt in Schwetz an der Weichsel (Świecie nad Wisłą) - 22. April 2008

Die Psychiatrische Anstalt in Schwetz besitzt einen eigenen Friedhof, der sich an der ul. Wojska Polskiego in der Nähe des Krankenhauses befindet. Neben einer Kapelle gibt es auf dem umzäunten Friedhofsgelände vor allem ältere Gräber von Patienten sowie Ärzten.

Das am 22. April 2008 aufgenommene Foto unten zeigt das Grab des ersten polnischen Direktors der Anstalt, Dr. Stanisław Dekowski, der seit 1920 sein Amt ausübte und am 4. Juli 1931 verstorben ist. Beigesetzt sind an dieser Stelle weitere Mitglieder der Familie Dekowski. Erinnert wird mit einer Inschrift auch an den 1920 geborenen Sohn Kazimierz, der 1939 von den Nationalsozialisten nach der Besetzung der Stadt zunächst im Direktionsgebäude der Anstalt festgehalten und später in der Ortschaft Górna Grupa ermordet wurde.

Friedhof der Psychiatrischen Anstalt in Schwetz an der Weichsel (Świecie nad Wisłą) - 22. April 2008

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 30.10.2008]

Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal von 1889 auf dem Markt von Culm - ChelmnoDenkmäler errichtet man in der Regel für die Ewigkeit. Infolge politisch-gesellschaftlicher Veränderungen werden sie aber nicht selten als Relikte früherer Epochen bereits nach relativ kurzer Zeit durch dem gerade aktuellen Zeitgeist genehme Symbole ersetzt.

Als Beispiel für derartige Entwicklungen kann das 6,58 m hohe Kriegerdenkmal dienen, das auf dem Culmer Marktplatz südwestlich des Rathauses laut seiner Inschrift den tapferen Kriegern aus Stadt und Kreis Culm zum ehrenden Andenken angefertigt und am 18. August 1889 unter der Beteiligung von rund 3000 Einwohnern und Gästen feierlich (für heutige Begriffe mit patriotischem Pathos) enthüllt wurde. Die ersten beiden Postkartenausschnitte zeigen das Kriegerdenkmal an seinem ursprünglichen Standort. Die oberhalb der Felder mit den Inschriften erkennbaren runden Medaillons enthalten Porträts damals in Preußen bedeutender Persönlichkeiten – Wilhelm I., Friedrich II., General Helmuth von Moltke und Otto von Bismarck.

Kriegerdenkmal von 1889 auf dem Markt von Culm - ChelmnoMit einem Metallzaun umgeben, stand das Denkmal, das an den Tod der in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Soldaten Rudolf Meier, Martin Friedrich Bensemann, Johann Sobiechewski, Richard Consentius, Ernst Philipp Gottlieb Lange, Paul Ernst Albert Raabe, Emil Carl Leitreiter, Johann Stephan, Gottlieb Fuchs, Ferdinand Julius Bundt, Wilhelm Heuser, Karl Schlag und Franz Urbanski erinnerte, über 30 Jahre lang bis zum Ende der preußischen Ära im Jahr 1920 auf dem Marktplatz.

Nachdem der erste polnische Bürgermeister Dr. Ottomar Krefft am 20. Januar 1920 offiziell die Geschäfte von seinem deutschen Amtsvorgänger übernommen hatte, wurde bereits am 11. Februar der Beschluss gefasst, das Kriegerdenkmal vom Markt der nun zum polnischen Staat gehörenden Stadt Chełmno zu entfernen. Die Demontage übernahm der örtliche Maurermeister Władysław Płuciński. Die wichtigsten Bestandteile des Denkmals, nämlich die Granitblöcke, wurden auf den evangelischen Friedhof östlich der Altstadt verbracht und der Metallzaun im Wasserturm an der ul. Dominikańska deponiert. Da offensichtlich keine kurzfristige Einigung mit der evangelischen Kirchengemeinde über das weitere Schicksal des Denkmals erzielt wurde, ordnete die Stadtverwaltung 1923 an, es wieder vom Friedhof zu nehmen und im Wasserturm oder einem anderen Lagerort abzustellen. Schließlich kam es offensichtlich doch zu einer Verständigung mit der vorwiegend aus Angehörigen der deutschen Minderheit bestehenden evangelischen Kirchengemeinde mit Pastor Johannes Frese an der Spitze, die das Denkmal 1930 feierlich auf ihrem Friedhofsgelände aufstellte, und zwar in unmittelbarer Nähe von Gräbern im Ersten Weltkrieg gefallener Soldaten am Hauptweg des Friedhofs, der von der ul. Dworcowa bis zur ul. 3 Maja führte.

Kriegerdenkmal von 1889 ab 1940 am Landratsamt in Culm - ChelmnoAber auch dort fand das Kriegerdenkmal nur für gut ein Jahrzehnt eine neue Heimat. Nach der im September 1939 erfolgten Besatzung der Stadt Chełmno durch das Dritte Reich suchten die nationalsozialistischen Machthaber einen Ersatz für das polnische Grab des unbekannten Soldaten. Da den NS-Ideologen ein Denkmal für tapfere Krieger mehr zu taugen schien als die zu preußischer Zeit hier platzierte Büste von Kaiser Friedrich III., stellte man nicht wieder ein Kaiserdenkmal auf, sondern verlegte (wahrscheinlich im Jahr 1940) das Kriegerdenkmal vom nahe gelegenen Friedhof auf den Platz neben dem Landratsamt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal beseitigt und der Vorkriegszustand durch die erneute Anlage des Grabs des unbekannten Soldaten wieder hergestellt. Das Kriegerdenkmal wurde nun endgültig zerstört, indem es zersägt und seine Einzelteile unterschiedlichen Zwecken zugeführt wurden.

Quellen:

  • Soborska-Zielińska, Anna: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 16 ff. (Pomnik wojaków)
  • Bilder: Postkarten aus moje-chelmno.pl

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 22.03.2008]