Rynek 3

AdlerKleinDieses Gebäude an der Südseite des Markts mit der Adresse „Rynek 3” ist vor kurzem renoviert worden.

Sein Kern ist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Ziegelsteinen auf älteren Fundamenten gemauert worden, die aus dem 13./14. Jahrhundert, teilweise auch aus dem 17. Jahrhundert, stammen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Haus um ein Geschoss aufgestockt sowie eine Fassadenachse erweitert worden.

Sein derzeitiges Aussehen verdankt das Gebäude im Wesentlichen einem Umbau im Jahr 1906.

PostkarteSchwarzerAdler

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu dieser Zeit, als die Stadt noch zu Preußen gehörte, befand sich in ihm das „Hotel zum schwarzen Adler“. 1914 lautete die Adresse des Hotels „Markt 4“. Gegründet wurde es wahrscheinlich um das Jahr 1837. Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Marienwerder für das Jahr 1837 findet man nämlich auf Seite 528 folgenden Vermerk:

Johann Schmidt in Culm am Markt der Wache gegenüber, empfiehlt allen respektablen Reisenden und Herrschaften bestens seinen neu errichteten Gasthof „zum Schwarzen Adler“ unter Versicherung billiger, rascher und freundlicher Bedienung.

SchwarzerAdler1837jpg

 

 

 

 

 

Eine gute Ansicht des Hotels im frühen 20. Jahrhundert ist in dem Buch „Chełmno auf alten Postkarten“ (online verfügbar unter http://kpbc.umk.pl/dlibra/doccontent?id=25503: Seite 191) abgebildet.

Markt3bklein

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Inwentarz zabytków województwa kujawsko-pomorskiego, Chełmno – kamienica, Rynek 3 [online: http://www.icimss.edu.pl/custodes/index.php?option=com_content&task=view&id=156&Itemid=42]

Postkartensammlung der Website moje-chelmno.pl

Ul. Dworcowa 23 – Hotel Centralny

Ul. Dworcowa 23 - Hotel Centralny - in Culm (Chełmno) im November 2008

Unter der Adresse ul. Dworcowa 23 findet man das Hotel Centralny (Central-Hotel). 1877 plante man an dieser Stelle ein eingeschossiges Gebäude, das bis zur Jahrhundertwende auch errichtet wurde. 1904 erhielt das Hotel ein Obergeschoss und gemäß in den Jahren 1909-1914 angefertigten Entwürfen noch ein weiteres Geschoss. Zu dieser Zeit entstand wahrscheinlich auch die gegenwärtige Fassade. Der Innenbereich des Hotels wurde mehrfach umgestaltet. So war das heutige Restaurant während der Besatzungszeit (in diesen Jahren „Bahnhofshotel“ genannt) in eine Weinstube und ein Restaurant unterteilt. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde neben und hinter dem Hotel Centralny das Kino „Rondo“ gebaut.

Quelle: Angaben auf der Website des Hotels

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags 23.11.2008]

Culmer Hof

Bis 1984 zierte die östlichste Ecke der Nordseite des Culmer Marktplatzes das Gebäude des ehemaligen Culmer Hofes, eines Hotels und Restaurants, in dem 1913 der junge Kurt Schumacher Tanzunterricht* genommen hat. Auf der Postkarte auf dem frühen 20. Jahrhundert erkennt man links neben dem an der Straßenecke stehenden Hotel ein Gebäude mit der Aufschrift Robert Frohnert (übrigens ein Onkel Kurt Schumachers), das später Teil des umgebauten Culmer Hofes wurde.

Culmer Hof - Anzeige aus dem Jahr 1904Dadurch erhielt das Hotel, das nach 1919 Dwór Chełmiński genannt wurde (die deutsche Bezeichnung wurde also wortwörtlich ins Polnische übernommen) und nach Angaben in einem Reiseführer aus dem Jahr 1929 (Jan Grabowski, Przewodnik po Chełmnie) 40 Betten besaß, zum Markt hin eine breitere Fassade.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das ehemalige Hotel lange Jahre dem Landkreis und später der Stadt als Kulturhaus, bis es in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1984 einem Feuer zum Opfer fiel und abgerissen werden musste. Seitdem klafft dort eine weit sichtbare Lücke.

Anfang der neunziger Jahre erwarb ein Geschäftsmann das Grundstück. Leider versäumte es die Stadtverwaltung, dem Erwerber im Kaufvertrag eine bestimmte Frist für die Bebauung zu setzen. Alle paar Jahre findet man einen Artikel in der Lokalpresse über das Schicksal dieses Grundstücks und die (vermeintlich konkreten) Pläne des neuen Eigentümers, aber die Jahre verstreichen, ohne dass sich irgendetwas tut.

Entstanden sind lediglich ein das Grundstück umgebender Zaun, der immer unansehnlicher wird, und leider eine noch mehr Blicke auf diese Stelle ziehende Werbetafel, auf der ein örtlicher Supermarkt sein aktuelles Angebot anpreist (siehe Foto des Grundstücks vom 13. Januar 2008: man war gerade dabei, ein neues Plakat aufzukleben).

Der Stadt sind die Hände gebunden, denn sie hat keine rechtlichen Möglichkeiten, den Eigentümer zu zwingen, den Neubau in Angriff zu nehmen. Der derzeit geltende Bebauungsplan gestattet es übrigens, dieses Grundstück für „Tourismus, Verwaltung und Handel“ zu nutzen, setzt also keine besonderen Beschränkungen. Um das historische Stadtbild zu erhalten, sieht er jedoch vor, dass sich der zukünftige Bauherr und sein Architekt am historischen Vorbild des Culmer Hofes orientieren und ihre Planung mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen müssen.

* laut Peter Merseburger, Der schwierige Deutsche Kurt Schumacher, Stuttgart 1995, S. 17
Die Abbildungen des Culmer Hofes stammen aus der Publikation Chełmno na starej pocztówce – Chełmno auf alten Postkarten, herausgegeben im Jahr 2000 vom Museum des Culmer Landes

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 15.01.2008]