Museum des Culmer Landes (Muzeum Ziemi Chełmińskiej)

Das im historischen Rathaus auf dem Marktplatz untergebrachte Museum des Culmer Landes (Muzeum Ziemi Chełmińskiej) bietet die Möglichkeit, die Geschichte der Stadt Culm an der Weichsel (Chełmno nad Wisłą) und ihres Umlandes näher kennenzulernen.

Bereits in der Zwischenkriegszeit wurden von engagierten Bürgern Anstrengungen unternommen, in Culm ein Museum einzurichten.1933 wurde anlässlich des 700. Jahrestags der Stadtgründung eine umfangreiche Ausstellung organisiert. Weitergehende Pläne konnten jedoch nicht realisiert werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Idee, die Stadtgeschichte dauerhaft und anschaulich zu vermitteln, wieder aufgenommen. Federführend war dabei Mag. Jerzy Kałdowski, der an der Spitze der Initiative stand und später der erste Direktor des Museums wurde. Es gelang, zunächst einen Raum im alten Rathaus für eine Ausstellung zu gewinnen, die mit der Zeit wuchs und im Jahr 1964 den Status eines sog. Museumspunkts erhielt. Bis 1975 verfügte dieser Vorgänger des heutigen Museums über zwei Säle auf der Südseite des ersten Stockwerks.

1975 fiel der Beschluss, das Rathaus ausschließlich für museale Zwecke zu nutzen. Siebenjährige Sanierungsarbeiten in diesem historischen Gebäude erzwangen jedoch die vorläufige Verlegung des Museums in den Pulverturm. Zum 750-jährigen Gründungstag der Stadt erhielt es dann seinen endgültigen Standort im Rathaus. Die offizielle Eröffnung des Museums des Culmer Landes fand am 28. Dezember 1983 statt.

Das Museum sammelt vor allem Gegenstände, die mit dem Stadtgebiet und seiner nächsten Umgebung im Zusammenhang stehen. Neben den Dauerausstellungen “Geschichte Culms” und “Dr. Ludwik Rydygier – ein polnischer Chirurg von Weltruf” können auch regelmäßige Sonderausstellungen besucht werden.

Die Dauerexposition “Geschichte Culms” nimmt fünf Säle im ersten Stockwerk ein. Im ersten Raum werden die Geschichte vor der Stadtgründung 1233, die Verleihung des Gründungsprivilegs und die Entwicklung der Stadt im Mittelalter dargestellt. Einen besonderen Eindruck hinterlassen der Gerichtssaal, in dem man Wandgemälde Jan Roszkowskis aus dem 18. Jahrhundert bewundern kann, die thematisch an biblische Gerichtsszenen anknüpfen, sowie eine mit schönen Intarsien versehene Tür im Rokokostil mit der lateinischen Inschrift “Non Quaerit Quae Sua Sunt”. Zu den Exponaten in diesem Saal gehören die “Kriminalistische Praktik” von Jakub Czechowicz, die im Jahre 1769 in Culm herausgegeben wurde, sowie zwei Danziger Editionen der Revision des Culmer Rechts aus dem 18. Jahrhundert.

In einem weiteren Saal ist die Geschichte des Culmer Schulwesens dargestellt, wobei besonders auf die einstige Culmer Akademie (1386-1818) eingegangen wird. Sie war eine bedeutende Bildungseinrichtung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Nikolaus Kopernikus einer ihrer Schüler war.

Ihre Tradition übernahm das im Jahre 1837 gegründete Culmer Gymnasium, das als Teil des Schulzentrums Nr. 1 noch heute besteht. Auch die Geschichte dieser Schule wird näher dargestellt. Ihre ersten Direktoren waren Karl Richter und Wojciech Łożyński. Zu ihren Abiturienten gehörten Kurt Schumacher sowie die Brüder Franciszek, Maksymilian und Leon Raszeja.

Im einstigen Sommersaal befindet sich eine herrlich bemalte Balkendecke aus dem 17. Jahrhundert. Hier ist eine Sammlung untergebracht, die an das Culmer Druckerhandwerk, örtliche Verleger (Józef Chociszewski, Józef Gółkowski, Ignacy Danielewski, Walenty Fiałek) sowie die in der Stadt tätigen Zünfte und Vereine erinnert.

Die beiden letzten Ausstellungssäle befassen sich mit der geschichtlichen Zäsur der Jahre 1920-1945. Die Exponate aus den Zwischenkriegsjahren spiegeln in besonderer Weise die Zeit wieder, in der Polen seine Unabhängigkeit wieder erlangte, und illustrieren die Tätigkeit verschiedener Vereine sowie der in Culm stationierten Armeeeinheiten. Beschrieben wird natürlich auch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs.

Im zweiten Stockwerk des Rathauses kann man den Bürgersaal mit herrlichen Stuckarbeiten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und Keramikbüsten bewundern. Betrachten kann man Portraits verdienter Culmer Bürger, unter anderem von Walenty Fiałek (1852-1932), einem Verleger polnischer Bücher, sowie des berühmten Chirurgen Dr. Ludwik Rydygier (1850-1920).

Ludwik Rydygier ist eine eigene Ausstellung gewidmet. Unter den gezeigten Exponaten befindet sich eine Rarität, nämlich eine im Jahre 1912 in Lemberg herausgegebene Sammlung aller wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Autogramm des Verfassers, die dem Museum von einem Mitglied der Familie Rydygier überlassen worden ist. Interessant sind auch medizinische Geräte und Instrumente aus der Epoche Rydygiers.

Im Museum werden ebenfalls viele Werke des Malers Antoni Piotrowicz gezeigt.

Das Museum des Culmer Landes organisiert regelmäßig zeitlich begrenzte Ausstellungen, die hauptsächlich regionale Themen betreffen oder Gastausstellungen anderer Institutionen bilden.

Im Eingangsbereich des Rathauses ist die städtische Touristeninformation untergebracht. Außerdem findet man hier die Kasse des Museums mit einer Verkaufsstelle für regionalgeschichtliche Publikationen.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 07.12.2007]

 

Unabhängigkeitsdenkmal

Der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1918 wird in Polen am 11. November, einem gesetzlichen Feiertag, gedacht. An dieses Ereignis vor nunmehr 90 Jahren erinnert in Chełmno (Culm) ein Unabhängigkeitsdenkmal, das vor genau zehn Jahren errichtet worden ist. Es liegt weit weg von anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt unmittelbar an der verkehrsreichen Landesstraße Nr. 1 nördlich des Betriebsgeländes der Polstermöbelfabrik Helvetia. Das Denkmal wird gebildet von einer 135 cm hohen und 80 cm breiten Bronzetafel, die an einer 280 cm hohen und 600 cm breiten Mauer aus hellen Ziegeln angebracht ist, und es steht am Ende einer mit Kies versehenen Fläche unmittelbar vor dem Werkszaun.

Standort des Unabhängigkeitsdenkmals in Culm / Chełmno am 8. November 2008

Die für ein derartiges Denkmal ungünstige und eigentlich unangemessene Lage ist eine Folge der Vorgeschichte dieser Stelle, die bereits zu preußischer Zeit mit einem (deutsch-)nationalen Symbol besetzt worden war. Damals gab es weder die Fabrik noch die Fernstraße, die beide erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. An diesem erhöht gelegenen Ort wurde 1909 auf freiem Feld ein Bismarckturm gebaut, der kurz nach der Unabhängigkeit Polens als Symbol deutscher Herrschaft abgetragen wurde. An seine Stelle sollte nun, vielleicht in Anlehnung an den bekannten Kościuszko-Hügel und weitere derartige Objekte bei Kraków (Krakau), ein weithin sichtbarer Freiheitshügel treten. Mit seiner Aufschüttung begann man im Rahmen groß angelegter Feierlichkeiten unter Anwesenheit aller wichtigen örtlichen Würdenträger am 3. Mai 1921, dem 130. Jahrestag der Verabschiedung der Verfassung von 1791. Der Landrat Dr. Paweł Ossowski wandte sich mit folgendem Appell an die Bevölkerung:

Einwohner des Culmer Kreises! Wo ein solcher Hügel aufgeschüttet wird, dürfen unsere helfenden Hände nicht fehlen! Werfen wir Erde aus dem gesamten Kreis Culm auf, unsere polnische Erde, freie Erde, aus allen unseren Gemeinden, aus allen Ortschaften des Kreises!

Obwohl sich die Menschen anfänglich noch mit Elan an diesem Projekt beteiligten, konnte der Freiheitshügel nie vollendet werden. 1933 wandte sich eine Gruppe Culmer Bürger sogar mit dem ausdrücklichen Antrag, für eine vollständige Aufschüttung zu sorgen, an den Magistrat, jedoch wurden von amtlicher Stelle keine weiteren Schritte unternommen. Mittlerweile hatte auch das seit 1925 in der Stadtmitte gelegene Grab des unbekannten Soldaten die Funktion des Veranstaltungsortes für offizielle Feiern übernommen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände von den deutschen Besatzern planiert und als Truppenübungsplatz genutzt.

Unabhängigkeitsdenkmal in Culm / Chełmno am 8. November 2008

Erst kurz vor der Wende, nämlich 1988, begründete Jerzy Kałdowski, der damalige Direktor des Museums des Culmer Landes, eine Initiative, die sich zum Ziel setzte, an der Stelle des einstigen Freiheitshügels ein Unabhängigkeitsdenkmal zu errichten. Zunächst plante man ein Monument und ließ zwei unterschiedliche Entwürfe vorbereiten, konnte aber mangels ausreichender Spenden nur den Guss einer Bronzetafel mit folgender Inschrift in Auftrag geben:

1918-1920
Zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit durch Polen und den 68. Jahrestag der Befreiung Culms von der preußischen Herrschaft.

Die Einwohnerschaft Culms
1988

An der Stelle des Freiheitshügels vom 3. Mai 1921

Ganz unten befindet sich noch folgende Inschrift, die ein Fragment eines von Jerzy Kałdowski verfassten Liedes darstellt:

Sei gegrüßt, unabhängiges Vaterland, sei gegrüßt –
unsere heiligste Republik!

Zur Entstehung des Denkmals kam es vor der Wende nicht mehr. Die Bronzetafel wurde zehn Jahre lang im städtischen Museum verwahrt. 1998 bot sich angesichts des „runden“ Unabhängigkeitstags die Gelegenheit, das Unabhängigkeitsdenkmal zu vollenden. Entgegen den ursprünglichen Entwürfen, die den Einsatz eines Findlings vorsahen, errichtete man eine fünfteilige Ziegelmauer (übrigens nicht exakt an der Stelle des Freiheitshügels) und befestigte an ihr die Bronzetafel. Im Rahmen einer Feierstunde wurde das Unabhängigkeitsdenkmal am 10. November 1998 feierlich enthüllt.

Unabhängigkeitsdenkmal in Culm / Chełmno am 8. November 2008


Quellen:

  • Anna Soborska-Zielińska, Pomnik Niepodległości, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 205 ff
  • Anna Soborska-Zielińska, Kopiec Wolności, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 26 ff


[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 08.11.2008]