Garnisonslazarett

Garnisonslazarett CulmDas ursprünglich als Garnisonslazarett genutzte Gebäude an der Parkstraße (ul. Parkowa) wurde in den Jahren 1906/1907 auf einem 8001 qm großen Grundstück vom Culmer Unternehmen Meseck und Schultze errichtet und der preußischen Armee verpachtet.

Auch nach Wiedererstehung des polnischen Staates diente das prächtige Objekt, das seinerzeit am Stadtrand lag, noch für kurze Zeit der Krankenpflege. Ab 1922 betrieb dann der Nonnenorden der Missionarinnen ein Internat für fast 150 Mädchen aus den polnischen Ostgebieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Wohnheim für auswärtige Schülerinnen und Schüler der Sonderschule genutzt.

Garnisonslazarett Culm

Quelle: Anna Soborska-Zielińska: Parki i ogrody Chełmna, Chełmno 1999, S. 25 f

 

Militärparade 1936

Haus ul. Grudziądzka 24 / Ecke ul. Poprzeczna in Culm an der Weichsel (Chelmno nad Wisla) am 1. März 2009

Reproduktion einer Abbildung aus der in Chełmno während der Zwischenkriegszeit herausgegebenen Zeitschrift Kadet, Jahrgang 1936, Nr. 41 (verfügbar in der Digitalen Bibliothek Kujawien-Pommern). Sie zeigt eine Militärparade auf dem Marktplatz von Chełmno. Im Hintergrund erkennt man deutlich das Ratshaus. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren in der Stadt unter anderem das 66. Kaschubische Infanterieregiment und das 8. Kavallerieschützenregiment der Polnischen Armee stationiert.

Stanisław Skalski

Stanislaw SkalskiStanisław Skalski (27.10.1915 – 12.11.2004) wird von Militärhistorikern zu den besten polnischen Kampfpiloten des Zweiten Weltkriegs gezählt. In den ersten Tagen des durch den Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 ausgebrochenen militärischen Konflikts nahm der zu dieser Zeit in Toruń/Thorn stationierte Skalski auch an Luftkämpfen im Raum Chełmno teil.

Nachdem er kurz nach Kriegsausbruch bei Toruń ein deutsches Flugzeug vom Typ Henschel-126 abgeschossen hatte, folgten am nächsten Tag im Gebiet Chełmża-Unisław zwei Bomber vom Typ Dornier-17. Am 3. September sicherte er bei Chełmno polnische Truppen, die über die Weichsel setzten, und machte dabei zwei deutsche Flugzeuge vom Typ Hs-126 unschädlich. Seinen letzten Flug im Raum Chełmno unternahm Skalski am 6. September, als er den Befehl erhielt, die Bewegung von Wehrmachtseinheiten an der Weichsel zu verfolgen. Bei Topolno (mehrere Kilometer südwestlich von Chełmno) entdeckte er eine Panzerfahrzeugkolonne und an der Straße Świecie-Chełmno eine Pontonbrücke, die den deutschen Truppen zur Überquerung des Flusses diente. Er beschoss diese Pontonbrücke einmal, musste sich dann jedoch wegen heftigen Flakfeuers zurückziehen.

In späteren Jahren kämpfte Skalski auf Seiten der Alliierten in Frankreich, England und Nordafrika. Nach seiner Rückkehr nach Polen 1949 wurde er von den stalinistischen Machthabern zum Tode verurteilt und erst 1956 nach einer Amnestie aus der Todeszelle entlassen. 1988 wurde ihm der Rang eines Generals der Polnischen Armee verliehen.

Seit dem 7. September 2013 ist die Weichselbrücke in Chełmno nach Stanisław Skalski benannt.

Quelle:
Bąk, Wiesław, Pamięci generała Stanisława Skalskiego, in: Czas Chełmna 17.12.2004; pl.wikipedia.org zum Stichwort Stanisław Skalski

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 08.12.2007; ergänzt am 26.10.2015]

Gazeta Toruńska 16.07.1871

Der in Culm ansässige Korrespondent der polnischen Tageszeitung beklagt die wirtschaftlichen Folgen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871: Die bereits aus Frankreich nach Berlin fließenden Reparationszahlungen machen sich vor Ort nicht bemerkbar. Ein Culmer Kaufmann nach dem anderen meldet Bankrott an. Andere verbergen ihre Probleme nur mit Mühe. Der Korrespondent weist auf die Bedeutung staatlicher Einrichtungen hin, die die Groschen in die Stadt spülen, nämlich das Gymnasium, das Kadettenhaus und das Infanteriebatallion. Da die Infanteristen noch immer in Frankreich seien, stünden viele Mietwohnungen leer und selbst die Wirte würden über einen geringen Umsatz klagen, berichtet die Zeitung.


Die Digitale Bibliothek Kujawien-Pommern, die einen bequemen Zugriff auf regionalgeschichtliche Publikationen gestattet, wächst ständig. Durch die fortlaufende Digitalisierung vieler Tageszeitungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert lassen sich inzwischen viele bruchstückhafte Informationen über das Alltagsleben in Culm (Chełmno) finden, die einzeln gesehen eher unbedeutend sind, zusammengefasst aber interessante Erkenntnisse über gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen liefern können. Derartige historische Zeitungsmeldungen aus bzw. über Culm sind in der Kategorie Chronik abgelegt.

Reenactment am 25.04.2009 – Polnische Armee im August und September 1939

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena PrauseSchauspielerische Nachstellungen wichtiger historischer Ereignisse haben in Culm (Chełmno) bereits eine gewisse Tradition. Im Vorfeld des 70. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen und des damit verbundenen Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs gab es am 25. April 2009 auf einem Freigelände östlich der ul. Osnowska entlang der Straße Nad Browiną eine Inszenierung zum Thema Schicksal des 66. Kaschubischen Infanterieregiments und des 8. Kavallerieschützenregiments aus Chełmno im August und September 1939.

Das hervorragend geplante und mit großem Engagement der Teilnehmer veranstaltete Reenactment fand starken Zuspruch bei Einwohnern und angereisten Gästen. Mit einem vorbildlich recherchierten und über eine große Lautsprecheranlage übertragenen Kommentar wurde das schauspielerisch-symbolisch vorgestellte Geschehen ab 1937 bis Herbst 1939 den Zuschauern, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche, verständlich gemacht. An pyrotechnischen Effekten wurde nicht gespart. Sogar ein Kleinflugzeug kreiste während der Darstellung einer Schlacht über dem Veranstaltungsgelände und lieferte Motorengeräusche.

Die einstündige Präsentation begann mit der Vorstellung der während der Zwischenkriegsjahre in Chełmno stationierten Infanterie- und Kavellerieregimenter. Anschaulich darstellt wurde die Musterung von Rekruten und ihre Ausbildung. Der Moderator erläuterte die Bedeutung, die das Militär in den letzten Friedensjahren spielte, die zunehmenden Spannungen zwischen Polen und dem nationalsozialistischen Deutschland und schließlich den deutschen Überfall auf das östliche Nachbarland. Bei der gesamten Vorstellung wurde immer wieder Bezug auf das Geschehen in und um Chełmno genommen.

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause

Reenactment in Chelmno am 25. April 2009, Foto: Helena Prause


Fotos: Helena Prause