Königliches Kadettenhaus zu Culm

Gebäude des einstigen preußisch-königlichen Kadettenhauses in Culm / Chelmno - 6. Dezember 2008
Das königliche Kadettenhaus zu Culm bildete von 1776 bis zu seiner Verlegung nach Köslin (Koszalin) im Jahr 1890 eine wichtige preußische Institution in der Stadt. Seine Kaserne (gegenwärtige Adresse ul. 22 Stycznia 16), in der sich heute Wohnungen befinden, ist im Sommer 2008 von außen umfassend saniert worden. Die Fotos sind am 6. Dezember 2008 entstanden.

22 Stycznia 16 - Bis 1890 Kaserne des Kadettenhauses in Culm / Chelmno - Foto vom 6. Dezember 2008

Kaufhaus Conitzer in Schwetz an der Weichsel (Świecie nad Wisłą)

Kaufhäuser waren vor dem Ersten Weltkrieg wichtige Werbekunden der Culmer Zeitung. Davon zeugen großformatige Anzeigen, die regelmäßig – meistens auf der letzten Seite – ihrer Ausgaben erschienen sind.

Im August 1911 sprach das Kaufhaus von Rudolph Conitzer in Schwetz an der Weichsel (Świecie nad Wisłą) mit einer vierseitigen Werbebeilage in der Culmer Zeitung (Ausgabe vom 13. August) auch seine Kundschaft auf der anderen Seite der Weichsel an. Hier können Sie Abbildungen dieser Werbebeilage einsehen:

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Vom 1932 verstorbenen Rudolph Conitzer (oft wird auch die Schreibweise „Rudolf“ verwendet) ist ein mit „Berlin 1929/30“ datierter, sechs Schreibmaschinenseiten umfassender, Auszug aus seiner Selbstbiographie erhalten geblieben. Dieser Auszug ist Teil der vom Leo Baeck Institute in New York aufbewahrten und dank Digitalisierung im Internet verfügbaren John H. Richter Collection 1904-1994 (Link zur Sammlung).

Lauf diesem Dokument wurde Rudolph Conitzer am 8. Mai 1851 in Jeżewo (Jeschewo), Kreis Świecie (Schwetz), geboren. Er besuchte zunächst die deutsche Landschule im Nachbardorf Taszewskie Pole (Taschauerfelde), später gemeinsam mit seinen Vettern Hermann Tuchler und Louis Jakob die jüdische Privatschule in Tuchola (Tuchel). Schließlich wohnte er bei seinem Onkel Bennheim in Świecie (Schwetz) und ging dort auf die Bürgerschule.

Rudolph Conitzers 1789 in der Nähe von Warschau geborener Großvater Aron ließ sich in Sępólno Krajeńskie (Zempelburg) nieder, sein Vater Moses kam am 3. Februar 1822 auf die Welt und lebte in Jeżewo. Er heiratete 1850 die am 1. Juni 1824 geborene Ernestine Bennheim. Sie hatten sieben Kinder, die Söhne Rudolph, Nathan (geb. 1857), Alexander (geb. 1859), Hermann (geb. 1862), Lothar und die Tochter Rahlchen. Die Conitzers waren relativ vermögend und beschäftigten zumindest für einige ihrer Kinder einen Hauslehrer. 1857 wurde ein massives Geschäfts- und Wohnhaus errichtet. Zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Jeżewo trug der Bau der Bahnlinie bei. Moses Conitzer erweiterte seinen Besitz um landwirtschaftlich genutzte Flächen. Außerdem richtete er in seinem Haus einen Synogogenraum mit Torarolle ein. Sein Geschäft vergrößerte Moses Conitzer dank der günstigen Konjunktur um Kurz- und Schnitt- sowie Eisenwaren.

Mit 13 Jahren trat Rudolph Conitzer eine Lehre bei Salomonsohn & Co. in Inowrocław an, kehrte aber nach einer vierwöchigen Probezeit wieder nach Hause zurück. Da sein Vater „im Schriftlichen weniger bewandert war“, übernahm er den Schriftverkehr und die Buchführung. Bis zum 1. Juli 1878 arbeitete Rudolph im Geschäft seines Vaters in Jeżewo, als er sich – nunmehr 27 Jahre alt – in Świecie (Schwetz) selbständig machte.

Seine Brüder eröffneten mit elterlichem Kapital ein Geschäft in Kwidzyn (Marienwerder). Conitzers Eltern zogen ebenfalls nach Kwidzyn um. Ab dem 1. Februar 1882 bestand dort das Manufaktur- und Modewarengeschäft „M. Conitzer & Söhne“. Moses Conitzer verstarb 1902.

Rudolph Conitzer schreibt über seine Firmengründung in Schwetz: „Am 1. Juli 1878 etablierte ich mich … in dem Jakob Bischerschen Hause am Grossen Markt, das neu erbaut wurde … ein Manufakturwarengeschaeft, und zwar nur mit allein erworbenem Geld.“

Im Februar 1880 heiratete Rudolph Conitzer die Tochter des Getreidehändlers und Spediteurs Dobrzynski aus Inowrocław. Er erinnert sich: „Die Mitgift von 15.000 Mark, die zur damaligen Zeit ein schoenes Kapital bedeutete, kam mir geschaeftlich sehr zu statten. (…) Nach einigen Jahren hatte ich Gelegenheit, das ehemalige Neuss’sche Eckgrundstück am Grossen Markt (…) fuer 36.000 Mark zu kaufen. Im Laufe der Jahre habe ich es oefter umgebaut und aufgestockt, sodass es mit der Zeit durch die 12 Schaufenster, das Oberlicht, die Centralheizung eine Sehenswuerdigkeit von Schwetz wurde.“

Conitzer beteiligte sich auch mit wirtschaftlichem Erfolg an der Gründung der Schwetzer Zuckerfabrik und der Kalksandsteinfabrik. Seine Frau Rosa und er unternahmen Reisen nach Italien, Frankreich und England. Von 1903 bis 1906 war er Stadtrat, später (auch) Kreistagsabgeordneter. Er setzte sich für den Bau der Bahnverbindung Świecie-Laskowice (Schwetz-Laskowitz) ein. Außerdem schreibt er, die Einrichtung einer Reichsbanknebenstelle und einer kaufmännischen Fortbildungsschule in Schwetz sei auf seine Veranlassung erfolgt. Er spendete beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke. Ab 1909 leitete Rudolph Conitzer die Einkaufsgemeinschaft der 12 Kaufhäuser der Familie Conitzer in Berlin, ohne jedoch seinen Wohnsitz in Schwetz vollkommen aufzugeben.

Am 12. November 1919 starb Rosa Conitzer, geb. Dobrzynski. Das Kaufhaus in Schwetz war nach dem Ersten Weltkrieg viele Jahre lang geschlossen und wurde 1929 für ein Drittel seines Werts verkauft.

Rudolph Conitzer starb 1932. Einige Jahre später, während der NS-Zeit, wurde die Familie Conitzer enteignet und ihre in Deutschland gelegenen Kaufhäuser „arisiert“. Neben Rudolph Conitzer hatten sich unter anderem seine drei Brüder Nathan (1857-1933), Alexander (1859-1951) und Hermann (1862-1936) sowie sein Cousin Alfred Conitzer (1881-1951) erfolgreich im Einzelhandel betätigt.

Katholischer Friedhof

Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden Verstorbene in Culm (Chełmno) in oder unmittelbar neben Kirchen beigesetzt. Innerhalb der Stadtmauern gab es unter anderem Friedhöfe an der Franziskanerkirche, der Dominikanerkirche, der Klosterkirche und der Marienkirche. Außerhalb der Wehrmauer erfolgten Bestattungen an der heute nicht mehr vorhandenen Georgskapelle östlich des Graudenzer Tors.

Lage des katholischen Friedhofs in Culm an der Weichsel / Chełmno nad WisłąDie preußische Verwaltung strebte, wahrscheinlich um einen besseren Schutz vor Seuchen zu gewährleisten, an, nicht mehr die in der relativ dicht besiedelten Stadt gelegenen Kirchhöfe zu nutzen. Vielmehr sollten außerhalb der Stadtmauer neue Friedhöfe entstehen. Dabei konnte sie sich auf eine eindeutige gesetzliche Regelung berufen, nämlich das im Jahr 1794 erlassene Allgemeine Landrecht für die preußischen Staaten. Dessen elfter Teil mit dem Titel „Von den Rechten und Pflichten der Kirchen und geistlichen Gesellschaften“ bestimmte nämlich im § 184: „In den Kirchen, und in bewohnten Gegenden der Städte, sollen keine Leichen beerdigt werden.“

Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde östlich der heutigen Altstadt, entlang der damaligen Ackerstraße (heute ul. Powstańców Wielkopolskich), ein jüdischer Friedhof angelegt. Bereits 1785 war ganz in der Nähe, nämlich südöstlich des Graudenzer Tors, ein evangelischer Friedhof entstanden.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Zu dieser Zeit waren jedoch die meisten Menschen in Culm katholischen Glaubens, so dass vor allem für diese Konfession eine Lösung im Sinne der neuen Vorschriften gefunden werden musste. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete am 29. März 1804 an, einen katholischen Friedhof außerhalb der Stadtmauer einzurichten. Daraufhin stellte die Stadt der katholischen Gemeinde einen Geländestreifen entlang der Stadtmauer zwischen Thorner Straße (ul. Toruńska) bis zum Pulverturm zur Verfügung. Die Kosten für die Begradigung der Fläche und die Errichtung einer Umzäunung wurden mit 657 Reichstalern angegeben. Am 13. September 1805 berief Pfarrer Franciszek Weinreich auf Bitten des Magistrats eine Versammlung der Kirchengemeinde ein, um über den zukünftigen Friedhof und die Kostendeckung zu beraten, jedoch blieben konkretere Schritte zunächst aus.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Infolge der militärischen Niederlage, die das napoleonische Frankreich dem Königreich Preußen zufügte, gehörte Culm ab 1807 bis 1815 zum Herzogtum Warschau, einem napoleonischen Satellitenstaat mit polnischer Administration. Diese richtete am 14. Mai 1809 ein Schreiben an den Magistrat der Stadt und behielt die frühere preußische Anordnung, nämlich Beisetzungen in und an Kirchen in der Stadt einzustellen, bei. Im März 1811 bemühte sich Pfarrer Weinreich bei der Stadt erneut um das anscheinend formell noch nicht übereignete Gelände südwestlich der Stadtmauer in der Nähe der Thorner Straße. Jetzt war er erfolgreich. Der neue Friedhof wurde schließlich 1814 eröffnet. Am 18. Mai des genannten Jahres erging nochmals ein Erlass, der Beisetzungen in den Kirchen und auf den Kirchhöfen verbot.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Der Friedhof zwischen dem ehemaligen Thorner Tor und dem heute noch gut erhaltenen Pulverturm war bereits nach 20 Jahren belegt, so dass er erweitert werden musste. 1835 wurde ein Kaufvertrag mit Ludwik und Joanna Pozzesii über ein benachbartes Grundstück westlich des Pulverturms geschlossen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde dieses Rechtsgeschäft jedoch nicht vollzogen. Die Erweiterung des Friedhofs um diese Fläche erfolgte erst 1852, als die neuen Eigentümer, Karol und Szarlota Suthoff, diese der katholischen Kirchengemeinde schenkten. 1877 wurde von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern ein weiteres Grundstück erworben.

Mit einem Aufwand von 5000 Mark wurde 1907 eine Leichenhalle gebaut, die bis heute genutzt wird. In unmittelbarer Nähe befinden sich an der Böschung unterhalb der Stadtmauer eng nebeneinander errichtete Grabmäler, unter anderem die Ruhestätte der Familie Witt aus dem Jahr 1906 sowie das Familiengrab des Gymnasialdirektors Wojciech Łożyński.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Während des Ersten Weltkriegs wurde erneut eine Erweiterung notwendig, unter anderen aufgrund der behördlichen Anordnung, einen Soldatenfriedhof zu schaffen. Durch einen Grundstückstausch erhielt die Kirchengemeinde eine neue Fläche von der Stadt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof noch mehrmals vergrößert.

Heute nimmt er fast die gesamte Fläche zwischen der ul. Toruńska und der Stadtmauer ein. Lediglich unmittelbar an der ul. Toruńska befinden sich Grundstücke mit Gebäuden. Das teilweise stark abschüssige Gelände erforderte eine terrassenförmige Anlage des im Westen bis zur ul. Danielewskiego reichenden Friedhofs, die seinen besonderen Reiz ausmacht.

Tagsüber ist das Friedhofsgelände frei zugänglich. Um einen kurzen Rundgang zu unternehmen, betritt man den katholischen Friedhof am besten durch den Haupteingang an der ul. Toruńska, der sich unmittelbar südlich der Stadtmauer befindet. Folgt man nun der Hauptallee, sieht man rechts den ältesten Teil des Friedhofs. Ganz am Ende der Hauptallee wendet man sich nach rechts und nimmt die zur Wehrmauer hinaufführende Treppe. Entweder wirft man nun noch einen Blick auf die Gräber unmittelbar an der Stadtmauer oder betritt durch das Tor in der Stadtmauer in Höhe des südlichen Endes der ul. Klasztorna wieder die Altstadt.

Quelle: Anna Grzeszna-Kozikowska, Chełmińskie Powązki, in: Czas Chełmna vom 24. Oktober 2008, S. 6



[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.10.2008]

Wojciech Łożyński

Portraitfoto Wojciech ŁożyńskiDer am 23. April 1808 in Culm geborene Wojciech Łożyński spielte als langjähriger Direktor des Königlich Katholischen Gymnasiums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle im politisch-gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt.
Łożyńskis Vater war Schumacher und schickte seinen Sohn auf das Gymnasium in Braunsberg (poln. Braniewo), wo Wojciech Łożyński 1827 die Abiturprüfung bestand. Danach studierte er bis 1831 in Königsberg (heute Kaliningrad) und Bonn klassische Philologie und promovierte. Nach einem Probejahr in Bonn erhielt er seine erste feste Lehrerstelle am Marien-Gymnasium in Posen (poln. Poznań), an dem er 1832 bis 1837 die Fächer Latein, Griechisch, Polnisch, Geschichte und Geographie unterrichtete.

Nach der Gründung des Königlich Katholischen Gymnasiums in Culm ließ sich Łożyński in seine Heimatstadt versetzen und arbeitete hier unter dem Schulleiter Karl Richter als Oberlehrer für klassische Sprachen und Französisch. Außerdem erteilte er von 1840 bis 1844 Polnischunterricht.

Łożyński war sehr sprachbegabt, beherrschte sieben Sprachen und muss auf die preußische Schulverwaltung in jedweder Hinsicht einen sehr positiven Eindruck gemacht haben. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass gerade er – ein Pole – 1844 Nachfolger Karl Richters wurde, dem vorgeworfen worden war, eine zu starke Polonisierung der Lehranstalt zugelassen zu haben.

Königlich Katholisches Gymnasium in Culm, Südseite des 1865 entstandenen Gebäudes38 Jahre lang leitete Wojciech Łożyński, der sich in zeitgenössischen deutschsprachigen Veröffentlichungen auch Adalbert Lozynski nennt, das Culmer Gymnasium. Ihm gelang es, die Balance zwischen der Loyalität gegenüber seinem Dienstherrn, nämlich dem preußischen König, und seinem Engagement für die Förderung der polnischen Kultur und Sprache zu wahren. Während seiner Zeit als Schuldirektor entwickelte sich das Königlich Katholische Gymnasium in Culm nämlich zu einem wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum für die polnische Bevölkerung in Westpreußen. Die Lehranstalt wurde gut besucht und der Anteil der polnischstämmigen Schüler war hoch.

Łożyński gehörte viele Jahre lang dem Stadtrat an und setzte sich für den Bau eines neuen Schulgebäudes ein, das schließlich 1865 an der ul. Dominikańska entstand und noch heute dem örtlichen Kopernikus-Gymnasium als Sitz dient. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die gleich neben dem neuen Schulgebäude stehende Franziskanerkirche restauriert und ab 1868 als Gymnasialkirche genutzt werden konnte.
Grabmal der Familie Łożyński auf dem katholischen Friedhof in CulmAnlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums wurde Łożyński Ehrenbürger der Stadt Culm. Am 1. November 1881, ein Jahr vor seiner Pensionierung, feierte er sein 50. Dienstjubiläum als Lehrer und erhielt neben vielen anderen Ehrungen die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn. Nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst wohnte er zusammen mit seinem Enkel Bernard Klein an der ul. Grudziądzka 33. Wojciech Łożyński verstarb am 26. August 1884 in Culm und wurde auf dem katholischen Friedhof bestattet.


Quellen:

  • Rafiński, Stefan: Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie, Bydgoszcz 2002, S. 85 (Foto Łożyńskis S. 145)
  • Rafiński, Stefan: Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 111 f.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 19.04.2008]

 

 

Karl Richter

Karl Richter, geboren am 15. Oktober 1804 im westfälischen Warendorf, wurde am 3. August 1837 zum Direktor des neu gegründeten Königlichen Katholischen Gymnasiums zu Culm ernannt und wird bis heute in Polen als toleranter und weitsichtiger Pädagoge gewürdigt. Nach seinem Abitur in Warendorf studierte Karl Richter von 1820 bis 1825 Theologie, Philosophie und Philologie an der Universität Münster. Zwei Jahre lang leitete Richter das Progymnasium in Rietberg, bevor er Oberlehrer in Paderborn wurde. Am 4. Juni 1830 wurde er zum Priester geweiht.

Sieben Jahre später erfolgte die Versetzung ins ferne Culm an der Weichsel, wo er als Schulleiter vor allem zum Wohl der Kirche und der katholischen Jugend, die überwiegend polnischer Nationalität war, wirken wollte. Am Culmer Gymnasium unterrichteten anfänglich elf Lehrer, davon zwei polnischer Abstammung. Zum Missfallen seiner deutschen Kollegen gestattete Karl Richter den polnischen Schülern, ihre Muttersprache zu pflegen, noch bevor 1840 begonnen wurde, Polnisch als Unterrichtsfach einzuführen. Richter lernte sogar selber Polnisch und soll die Sprache mit der Zeit hervorragend beherrscht haben.

Eine zu starke Polonisierung des Culmer Gymnasiums soll der Grund für seine Abberufung vom Amt des Schulleiters im Jahr 1844 gewesen sein. Sein Nachfolger wurde Wojciech Łożyński. Die polnischen Schüler verabschiedeten den deutschen Pädagogen Richter mit mehreren Liedern, unter anderem Jeszcze Polska nie zginęła (Noch ist Polen nicht verloren), der späteren Nationalhymne Polens. Er kam nun nach Peplin, rund 90 km nördlich von Culm gelegen, wo er unter anderem am Collegium Marianum Philosophie und Dogmatik unterrichtete. Das Vertrauen der polnischen Bevölkerung genießend, vertrat er den Bezirk Berent (Kościerzyna) in preußischen Parlament. Karl Richter gehörte sogar einem polnischen Verband, der Polnischen Liga, an. 1849 wurde er Domherr in Posen (Poznań) und unterrichte am dortigen Priesterseminar Dogmatik. Er setzte sich zunehmend für einen Ausgleich mit der preußischen Regierung ein, weshalb er bei der polnischen Bevölkerung Posens an Ansehen verlor. Deshalb ließ sich Richter im März 1867 nach Trier versetzen, wo er am 23. August 1869 verstarb.

Quellen:

  • Rafiński, Stefan: Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie, Bydgoszcz 2002, S. 15
  • Rafiński, Stefan: Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 153 f.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.12.2007]