Chełmno und Hann. Münden feiern heute 20 Jahre Städtepartnerschaft

Die Würdigung des Lebenswerks Kurt Schumachers an der ihm gewidmeten Gedenktafel an seinem Geburtshaus in Culm/Chełmno stellt bei jeder deutsch-polnischen Begegnung auf offizieller Ebene einen wichtigen Programmpunkt dar. So auch zu Beginn der heutigen Feierlichkeiten anlässlich der mittlerweile 20 Jahre bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Chełmno und Hannoversch Münden sowie der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags zwischen Chełmno und der tschechischen Stadt Letovice. Vertreter aus Polen, Tschechien und Deutschland legten am Haus, in dem der junge Kurt Schumacher bis Juni 1912 gewohnt hat, Blumen nieder.

Offizielle Vertreter aus Polen, Deutschland und Tschechien legen Blumen an der Kurt-Schumacher-Gedenktafel nieder.

Anschließend zogen die offiziellen Delegationen, Gäste und Einwohner unter Begleitung des örtlichen Spielmannszugs über den Markt zum Gymnasium Nr. 1 in der ulica Szkolna. In der Aula begrüßte Bürgermeister Mariusz Kędzierski die Teilnehmer und fasste mit einer interessanten Präsentation die Höhepunkte der Städtepartnerschaft zwischen Chełmno und Hann. Münden zusammen. Auch zahlreiche Vereine und Schulen aus Chełmno hatten Präsentationen über den Verlauf ihrer partnerschaftlichen Beziehungen während der letzten beiden Jahrzehnte vorbereitet. Aus zeitlichen Gründen musste man sich aber auf die Vorführung eines ausgezeichneten Films des Kopernikus-Gymnasiums (Schulzentrum Nr. 1) über seinen seit 1991 laufenden Schüleraustausch mit dem Grotefend-Gymnasium Münden beschränken. In einem langen Flur vor der Aula hatten der Mündener Kanu-Club und der Kanuclub UKS Nadwiślanin Sokół aus Chełmno eine beeindruckende Ausstellung vorbereitet, die viel Anklang fand.

In zahlreichen Ansprachen wurden während der Feierstunde die Erfolge und Errungenschaften der internationalen Zusammenarbeit gewürdigt, die sich seit vielen Jahren nicht nur auf Deutschland und Polen beschränkt, sondern auch gemeinsame Austauschmaßnahmen mit Kindern und Jugendlichen aus Israel und Frankreich umfasst. Das Wort ergriffen unter anderem Bürgermeister Mariusz Kędzierski aus Chełmno, Bürgermeister Klaus Burhenne aus Hann. Münden, Senator Jan Wyrowiński (stellvertretender Senatspräsident), Frank Stryga vom Stadtjugendring Münden, Landrat Wojciech Bińczyk aus Chełmno, Rainer Münzing vom Mündener Kanu-Club und Altbürgermeister Piotr Mittelstaedt aus Chełmno.

Bürgermeister Mariusz Kędzierski präsentiert die Höhepunkte der zwanzigjährigen Städtepartnerschaft.

Erinnert wurde dabei unter anderem an die Anfänge der Städtepartnerschaft und an das Engagement der 2008 verstorbenen Dr. h.c. Annemarie Renger, die in der Nachkriegszeit viele Jahre lang Kurt Schumacher bis zu dessen Tod 1952 zur Seite gestanden hatte.

Annemarie Renger war nämlich in besonderer Weise mit Chełmno verbunden. Am 13. Oktober 1990 nahm sie an der Enthüllung der Gedenktafel für Kurt Schumacher teil. Auch in den folgenden Jahren hielt sie intensiven Kontakt mit der Stadt, korrespondierte oft mit dem ersten Bürgermeister der Nachwendezeit, Piotr Mittelstaedt, und unterstützte insbesondere vor zehn Jahren die Entstehung der Europäischen Jugendbegegnungsstätte in Chełmno, die den Namen Kurt Schumachers trägt und deren laufenden Betrieb sie während ihrer letzten Lebensjahre tatkräftig gefördert hat. Annemarie Renger hat damit einen wichtigen Beitrag zur Festigung der deutsch-polnischen Städtepartnerschaft zwischen Chełmno und dem südniedersächsischen Hann. Münden sowie zum Ausbau des internationalen Jugendaustausches geleistet, an dem Jahr für Jahr hunderte Kinder und Jugendliche aus zahlreichen Ländern teilnehmen.

Zum Abschluss der Feierstunde besiegelten die Städte Chełmno und Letovice ihre heute begründete Städtepartnerschaft durch die Unterzeichnung entsprechender Urkunden.

Bürgermeister Klaus Burhenne aus Hann. Münden (links) und Bürgermeister Mariusz Kędzierski aus Chełmno


Nachtrag 5. Juli 2012:

Die Stadtverwaltung Chełmno hat bei Youtube ein über zweistündiges Video über den Verlauf der Feierlichkeiten am 1. Juli veröffentlicht:

In Form eines Videos kann man auch viele Fotos von diesem Tag sehen:

Franciszek, Maksymilian und Leon Raszeja

Franciszek Raszeja wurde am 2. April 1896 in Culm (Chełmno) in dem direkt neben dem Postamt gelegenen Haus am Markt geboren (heute ul. Rynek 14). Seine Eltern waren Ignacy Raszeja und Julianna, geb. Cichoń[1]. Ignacy Raszeja war als Oberpostschaffner tätig[2].

Franciszek Raszeja besuchte in seiner Heimatstadt die Schule. Seit April 1906 ging er auf das Königlich Katholische Gymnasium, wo er im Frühjahr 1912 mit dem nicht viel älteren Kurt Schumacher Freundschaft schloss[3]. Man spielte zusammen Fußball und ging zum Schwimmen an die Weichsel. Die freundschaftliche Verbindung zwischen dem aus einer polnisch-katholischen Familie stammenden Raszeja und dem in einem deutsch-protestantischen Elternhaus aufgewachsenen Schumacher muss eng gewesen sein, denn Raszeja berichtete seinem Freund nicht nur von der Tätigkeit der geheimen polnischen Schülerverbindung, Gesellschaft der Philomaten (poln. Towarzystwo Filomatów) genannt, der er seit 1911 angehörte, sondern nahm ihn auch zu Treffen der Philomaten mit[4]. Diese Organisation hatte sich das Ziel gesetzt, die polnische Sprache und Kultur zu pflegen, und wurde von den preußischen Behörden regelrecht bekämpft. Seit 1899 war es auf dem Gelände des Culmer Gymnasiums verboten, die polnische Sprache zu benutzen, wobei die Schüler an dieses Verbot jedes Jahr ausdrücklich erinnert wurden. Auch durfte die polnische Schülerbibliothek nicht mehr benutzt werden. Im September 1901 kam es in Thorn (Toruń) zum sog. Geheimbundprozess, in dem sich 60 junge Polen, davon 37 Schüler und Absolventen des Culmer Gymnasiums, wegen der Zugehörigkeit zu dieser „preußenfeindlichen Verbindung“ verantworten mussten[5]. Der als Zeuge vernommene Direktor des Culmer Gymnasiums Friedrich Preuß betonte, dass bereits allein die Pflege der polnischen Sprache und Literatur im Rahmen dieser Geheimorganisation, unabhängig von der Frage, ob diese politische Ziele verfolgt, zu einem Verweis von der Schule geführt hätte[6]. Das Gericht sprach 15 Angeklagte frei, 10 erhielten einen Verweis, verurteilte aber die übrigen zu Geld- und kurzzeitigen Gefängnisstrafen. Die preußische Schulverwaltung entschloss sich kurz nach dem Prozess, die sog. Geheimbündler der Schule zu verweisen und ihnen auch den Besuch anderer höherer Schulen in Preußen zu verweigern[7]. Eine Aufdeckung der Zugehörigkeit Raszejas zum 1903 reaktivierten Geheimbund oder der Verbindung Schumachers zu dieser Vereinigung hätte also mit Sicherheit Konsequenzen für ihre persönliche Zukunft gehabt. Auch Schumachers Familie – sein Vater stand als Kaufmann und Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung gesellschaftlich in einer sehr exponierten Position, seine Schwester Hedwig war Lehrerin in Culm, seine anderen Schwestern waren mit im preußischen Schuldienst stehenden Lehrern verheiratet – hätte Nachteile erleiden können, wären die Sympathien des späteren SPD-Politikers für die polnische Geheimbewegung bekannt geworden.

1914 wurde Raszeja zum Militärdienst eingezogen und diente in der preußischen Armee an der Ostfront. Er geriet in russische Gefangenschaft und konnte erst 1918 nach vierjährigem Aufenthalt in Taschkent (heute Usbekistan) fliehen und über Finnland und Schweden in seine Heimat zurückkehren[8]. Am 31. Mai 1918 nahm Raszeja ein Philologiestudium in Berlin auf, wechselte am 10. Oktober 1918 jedoch an die medizinische Fakultät[9]. Im Februar 1919 setzte er sein Studium in Münster fort. Hier traf er sich mit Kurt Schumacher, der sich zu dieser Zeit ebenfalls in Münster aufhielt. Raszeja verließ die Stadt aber bereits im Juli 1920, um nach Polen zurückzukehren[10]. 1920 nahm er als Sanitäter am polnisch-sowjetischen Krieg teil[11].

Nach seinem weiteren Medizinstudium in Krakau (Kraków) sowie Posen (Poznań) und seiner Promotion im Jahr 1923[12] war er in der Universitätsklinik Posen tätig. 1931 habilitierte er sich und wurde Direktor des orthopädischen Krankenhauses in Swarzędz bei Posen[13]. Gleichzeitig leitete er eine orthopädische Poliklinik in Posen[14]. Raszeja erreichte 1935 die Wiedereröffnung des Orthopädiekrankenhauses der Posener Universität und übernahm seine Leitung[15]. Ein Jahr später wurde er zum Professor für Orthopädie ernannt[16]. Raszeja ist Verfasser von rund 50 wissenschaftlichen Arbeiten[17]. 1937 protestierte er mit zehn anderen Wissenschaftlern gegen die Beschränkung der Zahl jüdischer Studenten (numerus clausus) und wehrte sich auch gegen die Einrichtung gesonderter Sitzplätze für Juden in den Hörsälen[18].

Im September 1939 flüchtete Raszeja mit dem Personal des Armeekrankenhauses Lodsch (Łódź), in das er zu Kriegsbeginn einberufen worden war, vor der nahenden Front nach Osten und kam in die Stadt Kowel[19], die damals zu Polen gehörte und heute 65 km von der polnischen Grenze entfernt im Nordwesten der Ukraine liegt. Hier wurde er Kommandant des Armeekrankenhauses[20]. Als die Sowjetunion infolge des Hitler-Stalin-Pakts ab dem 17. September die ostpolnischen Gebiete besetzte und Raszeja gewarnt wurde, dass der sowjetische NKWD seine Verhaftung plant, floh er nach Warschau[21]. Hier wurde er im Dezember 1939 Oberarzt der orthopädischen Abteilung des Krankenhauses des Polnischen Roten Kreuzes an der ul. Smolna 6[22]. Er unterrichtete im Untergrund Studenten der Geheimen Warschauer Universität. Die Veranstaltungen fanden im Krankenhaus statt, in dem er arbeitete[23]. Die Einrichtung des Warschauer Ghettos führte dazu, dass sein enger Mitarbeiter Dr. Kazimierz Polak mit seiner jüdischen Ehefrau ins Ghetto umziehen musste[24]. Raszeja nahm Verbindung mit dem sich im Ghetto aufhaltenden Professor Ludwik Hirszfeld auf, leistete vielen Ghettobewohnern ärztliche Hilfe und organisierte einen Blutspendedienst für die jüdische Bevölkerung[25]. Außerdem schmuggelte Raszeja Impfstoffe, Medikamente und Lebensmittel ins durch eine hohe Mauer von den umgebenden Stadtteilen abgegrenzte und vom Terror gezeichnete Ghetto, in dem durch die von den deutschen Besatzern bewusst in Kauf genommenen extremen Lebensbedingungen die Sterblichkeit sehr hoch war; er half auch Juden, aus dem Ghetto zu fliehen[26]. Am 21. Juli 1942 begab sich Professor Raszeja, obwohl ihm bei der Ausgabe des Passierscheins angedeutet wurde, dass es sich um einen „gefährlichen Tag“ handele[27], ins Ghetto, um einen schwer kranken Patienten, den Antiquar Abe Gutmajer[28], im Haus an der ul. Chłodna 26 zu behandeln[29]. Er wurde dort mit dem Patienten und dessen Familie, seinem ehemaligen Assistenten Dr. Kazimierz Polak und einer Krankenschwester von SS-Männern erschossen[30]. Franciszek Raszeja hinterließ seine Frau und zwei Töchter[31].

Die Nachricht von dieser Tat muss sich im Ghetto rasch verbreitet haben, denn sowohl Stanisław Gombiński (Moje wspomnienia), Henryk Makower (Pamiętnik z getta warszawskiego, październik 1940 – styczeń 1943) und auch Ludwik Hirszfeld („Dzieje jednego życia“) berichten in ihren Erinnerungen aus dem Warschauer Ghetto von diesem Mord[32]. Für die sicherlich größte Bekanntmachung sorgte jedoch Władysław Szpilman, der in seinem 1946 verfassten Buch „Śmierć miasta“ („Tod einer Stadt“, dt. Ausgabe 1998 unter dem Titel „Das wunderbare Überleben – Warschauer Erinnerungen 1939-1945) Raszeja erwähnt. Auch Roman Polanski erinnert in seinem preisgekrönten Film „Der Pianist“ aus dem Jahr 2001, der auf Szpilmans Autobiographie beruht, an Raszeja. Władysław Szpilman schrieb in seinem Buch: „An diesem Tag kam es am Nachmittag zu einem Vorfall, der Warschau auf beiden Seiten der Mauer erschütterte; der bekannte polnische Chirurg, ein Meister seines Fachs, Doktor Raszeja, Professor der Posener Universität, wurde ins Ghetto gebeten, um eine schwierige Operation durchzuführen. Wie in solchen Fällen üblich, erhielt er am Eingang der Kommandantur der deutschen Polizei einen Passierschein, aber als er schon vor Ort war und mit dem Eingriff begann, drangen SS-Männer in die Wohnung und erschossen den in Narkose auf dem Operationstisch liegenden Patienten, anschließend den Chirurgen und schließlich alle sich im Haus aufhaltenden Bewohner.“[33]

Im Februar 2001 wurde Franciszek Raszeja für seinen Einsatz für die jüdische Bevölkerung von der israelischen Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust Yad Vashem in Jerusalem posthum der Titel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen[34].

Maksymilian Raszeja
Franciszek Raszejas älterer Bruder Maksymilian wurde am 10. März 1889 geboren und besuchte das Gymnasium im seinerzeit preußischen Culm, an dem er 1907 das Abitur ablegte[35]. Nach dem Abitur besuchte er ab 1907 das Priesterseminar in Peplin, wo er 1912 zum Priester geweiht wurde. Nach einem Theologiestudium in Freiburg im Breisgau erwarb er dort 1915 den Titel eines Doktors der Theologie. Während des Ersten Weltkriegs diente Raszeja als Militärgeistlicher in der preußischen Armee. Nach dem Krieg war er Pfarrer in Śliwice bei Tuchola (dt. Tuchel), bis er 1926 zum Professor am Pepliner Priesterseminar berufen wurde. 1928 wurde er Kanoniker. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Raszeja am 12. September 1939 verhaftet. Man versuchte, ihn durch Misshandlungen zur Preisgabe des Verstecks der Pepliner Gutenbergbibel, anderer wertvoller Kunstwerke und Archivbestände zu bewegen. Zusammen mit anderen Priestern wurde Maksymilian Raszeja am 20. Oktober 1939 in Tczew (dt. Dirschau) erschossen.[36]

[Ausführlichere Darstellung vom 20. Oktober 2015]

Leon Raszeja
Leon Raszeja wurde am 26. Juni 1901 geboren und studierte nach der 1921 am Culmer Gymnasium bestandenen Reifeprüfung[37] Rechtswissenschaften an den Universitäten in Kraków (Krakau) und Poznań (Posen). Nach seinem Abschluss 1926 war er zehn Jahre lang als Richter in Chojnice (Konitz), Czersk (Marienwalde), Tuchola (Tuchel) und Grudziądz (Graudenz) tätig. Am 10. Juni 1936 wurde er zum Stadtpräsidenten von Toruń (Thorn) gewählt und trat sein Amt am 8. August desselben Jahres an. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen wird die Stadtverwaltung von Toruń in den ersten Septembertagen 1939 nach Lublin verlagert. Hier kommt Leon Raszeja am 9. September 1939 bei einem Bombenangriff ums Leben.[38]



[1] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“, in: „Czas Chełmna“ 02.04.2004, S. 8
[2] Schober, Volker, Der junge Kurt Schumacher 1895 – 1933, Bonn 2000, S. 65 [Das Buch ist erhältlich beim Verlag J.H.W. Dietz Nachf. Bonn]
[3] Schober, S. 65
[4] Schober, S. 66
[5] Schober, S. 56 ff
[6] Schober, S. 59
[7] Schober, S. 61
[8] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“, in: Trybuna 155 (4055), Magazyn 27 (83), 05.07.2003, S. 11, online unter URL:
http://forum-znak.org.pl/index.php?t=przeglad&id=1889 (22.12.2004)
[9] Schober, S. 123
[10] Schober, S. 123 f
[11] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“
[12] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“
[13] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942), in: „Z Życia Akademii Medycznej w Warszawie“, April 2000 – Nummer 4 (95), online unter URL:
http://www.bibl.amwaw.edu.pl/pismo/4-00.htm (22.12.2004)
[14] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“
[15] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“
[16] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“
[17] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“
[18] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“
[19] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“
[20] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“
[21] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“
[22] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“, Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“
[23] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“
[24] Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“
[25] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“, Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“
[26] vgl. Jurkowiak, Adam, „Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy“
[27] Kocon, Tadeusz, „Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)“
[28] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“
[29] Durkalec, Jerzy, „Zginął pomagając pacjentowi“, in: „Głos Wielkopolski“ 30.04.2003, online unter URL:
http://www.glos.com/index.php?arch=1&d=03-04-30&∓k=glosemcz&f=07-03 (27.12.2004)
[30] Durkalec, Jerzy, „Zginął pomagając pacjentowi“
[31] Schober, S. 124
[32] vgl. Eintrag in der Datenbank über das Warschauer Ghetto, online unter URL:
http://warszawa.getto.pl/pl/site/wyszukiwanie_db (22.12.2004)
[33] Szpilman, Władysław, Pianista. Warszawskie wspomnienia 1939-1945, Kraków 2002
[34] vgl. Notiz „Sprawiedliwi wśród narodów świata“ in der Tageszeitung „Życie“ vom 26.02.2001, online unter URL:
http://www.zycie.com.pl/archiwum/tekst.php?id_tekst=7250 (27.12.2004)
[35] Rafiński, Stefan, „Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie“, Bydgoszcz 2002, S. 111
[36] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“
[37] Rafiński, Stefan, „Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie“, Bydgoszcz 2002, S. 112
[38] Grzeszna-Kozikowska, Anna, „Bracia Raszejowie“; Informationen über Leon Raszeja auf der Homepage der Stadtverwaltung Toruń, online unter URL:
http://www.um.torun.pl/torun/miasto/Raszeja.php (27.12.2004)
[B1] Reproduktion aus Schober, S. 66

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: Januar 2005]


Deutsche Besatzung in Chełmno nad Wisłą – empfohlene Beiträge:


Geburtshaus Kurt Schumacher

Kurt Schumacher wurde 1895 im damals preußischen Culm an der Weichsel (poln. Chelmno nad Wisla) geboren. Hier verbrachte er seine Jugend, bevor er sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Kriegsfreiwilliger meldete und schwer verwundet wurde.

Während seines Besuchs des traditionsreichen Culmer Gymnasiums schloss er eine enge Freundschaft mit seinem polnischen Mitschüler Franciszek Raszeja.

Gazeta Toruńska 28.08.1914 - Abiturienten Kurt Schumacher und Franciszek RaszejaNach Studium und Promotion arbeitete Schumacher in den Jahren 1920-1924 als Redakteur in Stuttgart, von 1924 bis 1931 war er Landtagsabgeordneter in Württemberg. 1930 erlangte der SPD-Politiker einen Sitz im Reichstag, dem er bis zum Verbot der SPD im Jahr 1933 angehörte. Obwohl Schumacher nach der Machtergreifung durch Hitler die Möglichkeit zur Emigration hatte, wollte er Deutschland nicht verlassen, um den Kampf mit den Nationalsozialisten fortzusetzen. Als bekannter und engagierter Gegner des NS-Regimes war Dr. Schumacher in den Jahren 1933-1943 sowie 1944 Häftling verschiedener Konzentrationslager.

Nach der Kapitulation Deutschlands begann er 1945 mit dem Wiederaufbau der SPD und wurde 1946 zum Parteivorsitzenden gewählt. Ab 1949 war Schumacher Oppositionsführer im Bundestag und einer der wichtigsten Politiker der jungen Bundesrepublik Deutschland. Kurt Schumacher starb 1952.

Heute erinnert eine Gedenktafel an dem Haus gegenüber der städtischen Bibliothek an der ul. Swietego Ducha 1 (einst Heiligegeiststraße 12) an Schumacher. Außerdem trägt die internationale Jugendbegegnungsstätte der Stadt seinen Namen.

In diesem Haus wohnte die Familie Schumacher von 1890 bis Juni 1912, als sie in die ul. Franciszkańska 1 (damals Franziskanerstraße 4) unmittelbar neben dem Gymnasium umzog.

Geburtshaus Kurt Schumachers an der Heiligegeiststraße (ul. Swietego Ducha) in Culm an der Weichsel, 06.03.2008, Foto Grzegorz Góra

Quelle für Angaben über das Geburtshaus:
Soborska-Zielińska, Anna: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 162 f. (Tablica pamiątkowa poświęcona Kurtowi Schumacherowi)

Einen Teil des in diesem Beitrag gezeigten Bildmaterials hat Grzegorz Góra, Betreiber der preisgekrönten Website moje-chelmno.pl, zur Verfügung gestellt.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 17.11.2008]

 

Gedenktafel für Kurt Schumacher

Auf einer Veranstaltung des Gesprächskreises Arbeit und Soziales der Friedrich-Ebert-Stiftung am 24. und 25. November 1992 in Cottbus berichtete Karl-Wilhelm Lange, der damalige Stadtdirektor von Hannoversch Münden, über die Anbringung der Gedenktafel am Geburtshaus Kurt Schumachers sowie die Aufnahme erster Kontakte seiner Stadt mit Chelmno/Culm.

Auszug aus seinem Referat:

(…) Mit meinem Vortrag möchte ich über eine jener beispielhaften polnisch/deutschen-deutsch/polnischen Partnerschaften berichten, die im Zeichen der Demokratisierung und des politischen Umbruchs durch die Entscheidungen frei gewählter Räte in Chelmno und in Hann. Münden zustandegekommen sind.

Nach der Revolution, nach der friedlichen Ablösung der kommunistischen Herrschaft in Polen, die auch „die Wende“ in der DDR auslöste und der wir schließlich die Vereinigung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten zu einem Volk verdanken, hatten zunächst die Regierungen beider Staaten das Wort. Am 14. November 1989 vereinbarten Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Bundeskanzler Helmut Kohl in dem Regierungsabkommen über die deutsch-polnischen/polnisch-deutschen Beziehungen unter Ziffer 52, daß in der Heimatstadt des sozialdemokratischen Staatsmannes Kurt Schumacher in Chelmno/Kulm eine Erinnerungstafel an seinem Geburtshaus angebracht werden solle, die erstmals in der Nachkriegsgeschichte zugleich in polnisch und deutscher Sprache an diesen großen Sohn der Stadt Kulm erinnern sollte, als Symbol dafür, daß dieser große Deutsche Polen, Deutschland und Chelmno gehört.

Am 13. Oktober 1990, also knapp ein Jahr nach dem Abschluß dieses Regierungsabkommens, das einen ganz neuen Abschnitt für die Entwicklung der Beziehungen und der künftigen Zusammenarbeit unserer beiden Völker begründen sollte, wurde in Chelmno am 95. Geburtstag Kurt Schumachers die Tafel an seinem Geburtshaus feierlich enthüllt. Vorangegangen war im gleichen Jahr der Besuch des deutschen Bundespräsidenten in Polen am 2. Mai 1990, und es hatten in Chelmno wie in ganz Polen zum ersten Mal nach über 50 Jahren am 28. Mai 1990 die ersten freien Kommunalwahlen stattgefunden, die auf der Grundlage des Gesetzes über die gemeindliche Selbstverwaltung in Polen vom 8. März 1990 zum ersten Mal die eigenen örtlichen Angelegenheiten wieder frei gewählten Bürgern der Stadt Chelmno in die Hände legte.

Dieser neugewählte Rat, der mit dem heutigen Ratsvorsitzenden Joachim Tchorzewski, mit dem jungen neuen Bürgermeister Piotr Mittelstaedt und seinem Stellvertreter Marek Jeziorski mit Elan an die Arbeit ging, nutzte die neuen Freiheitsrechte und Entscheidungsspielräume dazu aus, ohne – wie in der Vergangenheit – auf die Zustimmung der zentralen Stellen in Warschau und der Parteiinstanzen in Chelmno und Thorun angewiesen zu sein, der Anbringung der Tafel am Geburtshaus Kurt Schumachers zuzustimmen und in direkten Verhandlungen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung die Einzelheiten zu regeln. So kam es zu der bewegenden Veranstaltung am 13. Oktober 1990, die durch den Stadtrat in Chelmno und seine obersten Repräsentanten, durch die Spitzen der Friedrich-Ebert-Stiftung und durch den deutschen Botschafter aus Warschau einen hohen, auch international beachteten Rang erhielt.

Unmittelbar nach dieser Entscheidung, die die Entschlossenheit des Rates der Stadt Chelmno widerspiegelte, die neuen Freiheitsräume der gemeindlichen Selbstverwaltung auch tatsächlich auszuschöpfen, wandten sich im Auftrage des Rates, dessen Vorsitzender Joachim Tchorzewski und Bürgermeister Piotr Mittelstaedt, mit einem Schreiben vom November 1990 an die Stadt Hann. Münden mit der Anfrage, ob wir interessiert seien, partnerschaftliche Kontakte zwischen unseren Städten zu knüpfen.

Als „ehrlicher Makler“ zwischen Chelmno und Hann. Münden erwarb sich bei diesen ersten brieflichen Kontakten unser Freund Peter Schneider aus Dransfeld – einer kleinen Stadt in der Nachbarschaft von Hann. Münden – besondere Verdienste, weil er als Pressesprecher der Friedrich-Ebert-Stiftung die örtlichen Verhältnisse in Chelmno und die Repräsentanten des Rates und der örtlichen Verwaltung kennengelernt hatte und auf entsprechende Anfragen die ihm ebenfalls wohl vertraute Stadt Hann. Münden ins Gespräch gebracht hatte. So kam es zu einem ersten Informationsbesuch einer Delegation aus Chelmno in der Zeit vom 19.-21. Dezember 1990, die Joachim Tchorzewski, Bürgermeister Mittelstaedt und seinen Vertreter Marek Jeziorski im Anschluß an eine kommunalpolitische Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einem Besuch nach Hann. Münden führte. Wir – die Verantwortlichen in Hann. Münden – empfanden diese Anregung, diesen Anstoß der Stadt Chelmno und ihre Anfrage als eine außerordentlich glückliche Entwicklung. (…)

(Quelle: Website der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Der gemeinsam von Bürgermeister Piotr Mittelstaedt und Annemarie Renger vollzogenen Enthüllung der Gedenktafel am 13. Oktober 1990 ging eine Feierstunde im Rathaus auf dem Markt voraus. Zu den Gästen zählten die Senatoren Stanisław Dembiński und Jan Józef Lipski, der Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung Holger Börner, der Leiter der Vertretung der Friedricht-Ebert-Stiftung in Polen Klaus Grimm und der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Polen Günter Knackstaedt. Jerzy Kałdowski, Direktor des Museums des Culmer Landes, erinnerte an den Werdegang Kurt Schumachers mit besonderem Bezug auf seine Heimat. Ansprachen hielten Annemarie Renger, Holger Börner und Piotr Mittelstaedt. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung im Rathaus mit einem Konzert und der Eröffnung der Ausstellung „Kurt Schumacher aus Culm“.

Gedenktafel am Geburtshaus Kurt Schumachers in Culm an der Weichsel, 06.03.2008, Foto Grzegorz Góra

Quelle bezüglich Verlauf der Feierlichkeiten:
Soborska-Zielińska, Anna: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 162 (Tablica pamiątkowa poświęcona Kurtowi Schumacherowi)

Einen Teil des in diesem Beitrag gezeigten Bildmaterials hat Grzegorz Góra, Betreiber der preisgekrönten Website moje-chelmno.pl, zur Verfügung gestellt.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 17.11.2008]