Ruhestätte Witt

Auf dem katholischen Friedhof südwestlich der Altstadt befinden sich eine Reihe von gebäudeartigen Grabmälern, die an der Böschung unterhalb der Stadtmauer eng nebeneinander errichtet worden sind. Eine dieser Grabstätten aus dem Jahr 1906 trägt die noch gut sichtbare Inschrift Ruhestätte der Familie Witt in deutscher Sprache. Leider weiß ich nicht, ob dies Ausdruck einer Anpassung an die damalige Amtssprache ist oder ob es sich um eine deutsche Familie katholischen Glaubens gehandelt hat.

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[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 10.12.2007]

Karl Richter

Karl Richter, geboren am 15. Oktober 1804 im westfälischen Warendorf, wurde am 3. August 1837 zum Direktor des neu gegründeten Königlichen Katholischen Gymnasiums zu Culm ernannt und wird bis heute in Polen als toleranter und weitsichtiger Pädagoge gewürdigt. Nach seinem Abitur in Warendorf studierte Karl Richter von 1820 bis 1825 Theologie, Philosophie und Philologie an der Universität Münster. Zwei Jahre lang leitete Richter das Progymnasium in Rietberg, bevor er Oberlehrer in Paderborn wurde. Am 4. Juni 1830 wurde er zum Priester geweiht.

Sieben Jahre später erfolgte die Versetzung ins ferne Culm an der Weichsel, wo er als Schulleiter vor allem zum Wohl der Kirche und der katholischen Jugend, die überwiegend polnischer Nationalität war, wirken wollte. Am Culmer Gymnasium unterrichteten anfänglich elf Lehrer, davon zwei polnischer Abstammung. Zum Missfallen seiner deutschen Kollegen gestattete Karl Richter den polnischen Schülern, ihre Muttersprache zu pflegen, noch bevor 1840 begonnen wurde, Polnisch als Unterrichtsfach einzuführen. Richter lernte sogar selber Polnisch und soll die Sprache mit der Zeit hervorragend beherrscht haben.

Eine zu starke Polonisierung des Culmer Gymnasiums soll der Grund für seine Abberufung vom Amt des Schulleiters im Jahr 1844 gewesen sein. Sein Nachfolger wurde Wojciech Łożyński. Die polnischen Schüler verabschiedeten den deutschen Pädagogen Richter mit mehreren Liedern, unter anderem Jeszcze Polska nie zginęła (Noch ist Polen nicht verloren), der späteren Nationalhymne Polens. Er kam nun nach Peplin, rund 90 km nördlich von Culm gelegen, wo er unter anderem am Collegium Marianum Philosophie und Dogmatik unterrichtete. Das Vertrauen der polnischen Bevölkerung genießend, vertrat er den Bezirk Berent (Kościerzyna) in preußischen Parlament. Karl Richter gehörte sogar einem polnischen Verband, der Polnischen Liga, an. 1849 wurde er Domherr in Posen (Poznań) und unterrichte am dortigen Priesterseminar Dogmatik. Er setzte sich zunehmend für einen Ausgleich mit der preußischen Regierung ein, weshalb er bei der polnischen Bevölkerung Posens an Ansehen verlor. Deshalb ließ sich Richter im März 1867 nach Trier versetzen, wo er am 23. August 1869 verstarb.

Quellen:

  • Rafiński, Stefan: Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie, Bydgoszcz 2002, S. 15
  • Rafiński, Stefan: Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 153 f.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.12.2007]