Patriotische Schneiderin Felicya Dyament

Eine interessante Anzeige schaltete am 15. März 1863 die Schneiderin Felicya Dyament in der polnischen Tageszeitung Nadwiślanin. Sie versichert nämlich nicht nur, ihre Leistungen schnell und genau zu gemäßigten Preisen auszuführen, sondern wendet sich aufgrund ihrer gegenwärtig unglücklichen Lage mit einem patriotischen Appell an ihre verehrten Landsmänner und Landsmänninen.

Schneiderin Felicya Dyament in Culm - Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1863In der Anzeige heißt es: Obwohl mein Mann, eines Staatsverbrechens angeklagt, derzeit im Gefängnis sitzt, nehme ich, eine Nähmaschine (neuste Erfindung) besitzend, weiterhin sämtliche Bestellungen an. Als ihre Adresse nennt sie das Haus des Glockengießers Schulz an der ul. Toruńska (Thorner Straße) in Culm.

Die Inhaftierung des Ehemannes von Felicya Dyament war eine Folge scharfer Restriktionen der preußischen Regierung, die versuchte, Bestrebungen zu unterbinden, den im russischen Teilungsgebiet ausgebrochenen Aufstand der polnischen Bevölkerung (sog. Januaraufstand) zu unterstützen. Der Verlauf des Aufstands wurde von der polnischen Bevölkerung Culms mit großem Interesse verfolgt. Viele Männer beteiligten sich sogar an den Kämpfen jenseits der russisch-preußischen Grenze. Man sammelte auch Geld und Kleidung für die Aufständischen. Polnische Zeitungen berichteten laufend über die Ereignisse. Die preußische Obrigkeit reagierte auf die sie beunruhigenden Aktivitäten mit harten Maßnahmen. So wurden Redakteure von in Culm erscheinenden Zeitungen zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Unter ihnen findet man in der Literatur* den Namen Dyament.

* Biskup, Marian (Hrsg.): Dzieje Chełmna i jego regionu. Zarys monograficzny, Toruń 1968, S. 218

Heilig-Geist-Kirche

Heilig-Geist-Kirche CulmDie gotische Kirche wurde im späten 13. Jahrhundert gebaut und orientiert sich nach Osten. Sie ist einschiffig und besitzt einen viereckigen Turm an der Westfassade. An der Südseite war an die Kirche einst ein Krankenhaus angebaut, weshalb die Kirche auch Spitalkirche genannt wurde. Das Innere der Kirche ist mit einem hölzernen Fassgewölbe verkleidet. Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert stellen Szenen der Verkündigung, der Heimsuchung, des letzten Abendmahls und das Bildnis der heiligen Maria Magdalena dar.

Das obere Foto zeigt die Westfassade der Kirche von der ul. Toruńska aus, das untere ihre Ostseite (aus Richtung ul. Wałowa).

Weitere Informationen über die Heilig-Geist-Kirche mit weiteren Fotos finden Sie auf der Website moje-chelmno.pl.

 

Katholischer Friedhof

Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden Verstorbene in Culm (Chełmno) in oder unmittelbar neben Kirchen beigesetzt. Innerhalb der Stadtmauern gab es unter anderem Friedhöfe an der Franziskanerkirche, der Dominikanerkirche, der Klosterkirche und der Marienkirche. Außerhalb der Wehrmauer erfolgten Bestattungen an der heute nicht mehr vorhandenen Georgskapelle östlich des Graudenzer Tors.

Lage des katholischen Friedhofs in Culm an der Weichsel / Chełmno nad WisłąDie preußische Verwaltung strebte, wahrscheinlich um einen besseren Schutz vor Seuchen zu gewährleisten, an, nicht mehr die in der relativ dicht besiedelten Stadt gelegenen Kirchhöfe zu nutzen. Vielmehr sollten außerhalb der Stadtmauer neue Friedhöfe entstehen. Dabei konnte sie sich auf eine eindeutige gesetzliche Regelung berufen, nämlich das im Jahr 1794 erlassene Allgemeine Landrecht für die preußischen Staaten. Dessen elfter Teil mit dem Titel „Von den Rechten und Pflichten der Kirchen und geistlichen Gesellschaften“ bestimmte nämlich im § 184: „In den Kirchen, und in bewohnten Gegenden der Städte, sollen keine Leichen beerdigt werden.“

Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde östlich der heutigen Altstadt, entlang der damaligen Ackerstraße (heute ul. Powstańców Wielkopolskich), ein jüdischer Friedhof angelegt. Bereits 1785 war ganz in der Nähe, nämlich südöstlich des Graudenzer Tors, ein evangelischer Friedhof entstanden.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Zu dieser Zeit waren jedoch die meisten Menschen in Culm katholischen Glaubens, so dass vor allem für diese Konfession eine Lösung im Sinne der neuen Vorschriften gefunden werden musste. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete am 29. März 1804 an, einen katholischen Friedhof außerhalb der Stadtmauer einzurichten. Daraufhin stellte die Stadt der katholischen Gemeinde einen Geländestreifen entlang der Stadtmauer zwischen Thorner Straße (ul. Toruńska) bis zum Pulverturm zur Verfügung. Die Kosten für die Begradigung der Fläche und die Errichtung einer Umzäunung wurden mit 657 Reichstalern angegeben. Am 13. September 1805 berief Pfarrer Franciszek Weinreich auf Bitten des Magistrats eine Versammlung der Kirchengemeinde ein, um über den zukünftigen Friedhof und die Kostendeckung zu beraten, jedoch blieben konkretere Schritte zunächst aus.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Infolge der militärischen Niederlage, die das napoleonische Frankreich dem Königreich Preußen zufügte, gehörte Culm ab 1807 bis 1815 zum Herzogtum Warschau, einem napoleonischen Satellitenstaat mit polnischer Administration. Diese richtete am 14. Mai 1809 ein Schreiben an den Magistrat der Stadt und behielt die frühere preußische Anordnung, nämlich Beisetzungen in und an Kirchen in der Stadt einzustellen, bei. Im März 1811 bemühte sich Pfarrer Weinreich bei der Stadt erneut um das anscheinend formell noch nicht übereignete Gelände südwestlich der Stadtmauer in der Nähe der Thorner Straße. Jetzt war er erfolgreich. Der neue Friedhof wurde schließlich 1814 eröffnet. Am 18. Mai des genannten Jahres erging nochmals ein Erlass, der Beisetzungen in den Kirchen und auf den Kirchhöfen verbot.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Der Friedhof zwischen dem ehemaligen Thorner Tor und dem heute noch gut erhaltenen Pulverturm war bereits nach 20 Jahren belegt, so dass er erweitert werden musste. 1835 wurde ein Kaufvertrag mit Ludwik und Joanna Pozzesii über ein benachbartes Grundstück westlich des Pulverturms geschlossen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde dieses Rechtsgeschäft jedoch nicht vollzogen. Die Erweiterung des Friedhofs um diese Fläche erfolgte erst 1852, als die neuen Eigentümer, Karol und Szarlota Suthoff, diese der katholischen Kirchengemeinde schenkten. 1877 wurde von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern ein weiteres Grundstück erworben.

Mit einem Aufwand von 5000 Mark wurde 1907 eine Leichenhalle gebaut, die bis heute genutzt wird. In unmittelbarer Nähe befinden sich an der Böschung unterhalb der Stadtmauer eng nebeneinander errichtete Grabmäler, unter anderem die Ruhestätte der Familie Witt aus dem Jahr 1906 sowie das Familiengrab des Gymnasialdirektors Wojciech Łożyński.

Katholischer Friedhof in Culm an der Weichsel / Chełmno nad Wisłą
Während des Ersten Weltkriegs wurde erneut eine Erweiterung notwendig, unter anderen aufgrund der behördlichen Anordnung, einen Soldatenfriedhof zu schaffen. Durch einen Grundstückstausch erhielt die Kirchengemeinde eine neue Fläche von der Stadt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof noch mehrmals vergrößert.

Heute nimmt er fast die gesamte Fläche zwischen der ul. Toruńska und der Stadtmauer ein. Lediglich unmittelbar an der ul. Toruńska befinden sich Grundstücke mit Gebäuden. Das teilweise stark abschüssige Gelände erforderte eine terrassenförmige Anlage des im Westen bis zur ul. Danielewskiego reichenden Friedhofs, die seinen besonderen Reiz ausmacht.

Tagsüber ist das Friedhofsgelände frei zugänglich. Um einen kurzen Rundgang zu unternehmen, betritt man den katholischen Friedhof am besten durch den Haupteingang an der ul. Toruńska, der sich unmittelbar südlich der Stadtmauer befindet. Folgt man nun der Hauptallee, sieht man rechts den ältesten Teil des Friedhofs. Ganz am Ende der Hauptallee wendet man sich nach rechts und nimmt die zur Wehrmauer hinaufführende Treppe. Entweder wirft man nun noch einen Blick auf die Gräber unmittelbar an der Stadtmauer oder betritt durch das Tor in der Stadtmauer in Höhe des südlichen Endes der ul. Klasztorna wieder die Altstadt.

Quelle: Anna Grzeszna-Kozikowska, Chełmińskie Powązki, in: Czas Chełmna vom 24. Oktober 2008, S. 6



[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.10.2008]

Eckhaus ul. Toruńska / Markt (07.11.2009)

Frisch saniertes Eckhaus ul. Toruńska / Rynek (Markt) in Chełmno nad Wisłą (Culm an der Weichsel) - Foto vom 7. November 2009 - Ansicht von Norden

Es laufen noch letzte Arbeiten, aber die umfassende Sanierung dieses am Markt gelegenen Gebäudes ist fast abgeschlossen. Im vergangenen Jahr wurde das Dach neu eingedeckt, in den letzten Wochen die Fassade erneuert. Im Hintergrund erkennt man das wegen Bauarbeiten eingerüstete Amtsgericht an der ul. Toruńska.


Frisch saniertes Eckhaus ul. Toruńska / Rynek (Markt) in Chełmno nad Wisłą (Culm an der Weichsel) - Foto vom 7. November 2009 - Ansicht von Osten

Da man leider nie weiß, wie lange die Farbe frisch renovierter Häuser nicht von irgendwelchen Deppen mit Pseudograffiti verunstaltet wird (wie ich sie heute an einigen anderen erst in diesem Jahr erneuerten Gebäude gesehen habe), habe ich mit dem Handy trotz des ungünstigen Wetters diese Aufnahmen gemacht.

Es ist bedauernswert, wie viele (gerade junge) Einwohner den finanziellen Einsatz der Hauseigentümer in der Altstadt nicht zu würdigen wissen und besonders die unteren anderthalb Meter frisch verputzter und gestrichener Außenwände mit Fußtritten, Schmierereien etc. verunstalten. Die strengen Auflagen der Denkmalschutzbehörde lassen es meistens nicht zu, dass dieser sensible Bereich mit anderen Baustoffen verkleidet wird, die unempfindlicher gegen Vandalismus wären.


Aufschrift

Beibehalten hat man übrigens die noch aus preußischer Zeit stammende Aufschrift „Herren-Garderoben“ an einem der Schaufenster, die nach meiner Erinnerung Anfang dieses Jahrzehnts entdeckt und damals restauriert worden war.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 07.11.2009]